Chat / Mail-System für alte Menschen. Bullet proof und super simpel - Tips, Kritik?

  • Hallo zusammen!


    tl;dr: Suche Anregungen zur Realisierung eines Nachrichtensystems für Menschen, die mit Maus / Touch / Fenstern etc. nicht zurecht kommen.


    Meine Mutter ist 84 und soweit ganz fit, Computer, Smartphone, Tablet jedoch: Undenkbar. Möchte dennoch sehr gerne Text und Bild von Enkeln etc. bekommen können.
    Meine Vorstellungen bisher:


    GUI

    • Nachrichtendarstellung ähnlich wie SMS / Whatsapp auf Smartphone
    • Scrollen mit Cursortaste up/down
    • Kontakte-Auswahl über Funktionstasten (F1 Schwester, F2 Sohn etc.)
    • Neue Nachrichten: Tastatur LED blinkt, entsprechender Kontakt ist ausgewählt
    • Nachrichten senden: Tippen, Enter
    • Eintreffende Fotos landen in Verzeichnis (Galerie) und können ebenfalls mit F-Taste angezeigt werden


    Hardware

    • Pi mit Backup-Batterie und Shutdown-Automatik, wenn Netz weg (Ein- und Ausschalten mit Netzschalter)
    • Anzeige: Fernseher mit HDMI
    • Eingabe: Tastatur (ggf. schnurlos)
    • LAN-Anschluss (m.E. zuverlässiger)


    Software

    • Verwendung von Mail? IRC? API eines Anbieters wie Twitter? Server mit eigenem Script drauf?
    • Am liebsten Umsetzung in Python


    Ich seht, es sind noch recht vage Vorstellungen. Wichtig ist mir eine Einschränkung der Funktionalität => extrem einfache Bedienbarkeit. Als Bild habe ich einen Fernschreiber im Kopf, aus dem Zeilen rausrattern und man zum Antworten einfach tippt. Wenn irgend was klemmt, soll immer Netz aus, Netz an ausreichen, um das Problem zu fixen.


    Am unklarsten ist mir der Softwareteil. Was ist hier am günstigsten, am leichtesten zu implementieren?



    Ich freue mich auf Anegungen und Kritik!


    LG
    snafu

    Edited once, last by snafu ().

  • An sich ein loebliches Vorhaben. Ich sehe aber nicht, wo das nun das Leben deutlich einfacher macht, als ein normales Tablett mit Touchscreen.


    Ich wuerde darum radikaler vorgehen, und die Funktion erst einmal auf einen digitalen Bilderrahmen reduzieren. Der stellt einfach zyklisch die neuesten Enkelfotos dar. Und die kann man beschicken mittels zB twitter oder einer Dropbox, in die Leute Fotos schieben koennen.


    Wenn das steht, kann man anfangen ueber einfache und dann komplexere Interaktionen nachzudenken. ZB swipe/Ecken-Tippen um durch die Bilder zu navigieren, Reaktionen auf Bilder durch antippen von Emoticons usw.

  • Hallo,


    so beim ersten drüber nachdenken würde ich eine "simplified GUI" für Twitter vorschlagen. Twitter kann da Text und Bilder - und hat seit einiger Zeit ja auch keine Längenbeschränkung auf 140 Zeichen bei PNs mehr.


    Twitter hätte außerdem den netten Seiteneffekt, dass man immer noch auf eine Smartphone- / Tablet-App umstellen kann, ohne Daten verloren zu haben.


    Die Oberfläche sollte IMHO nicht das Problem sein (Tkinter, Qt, evtl. pygame) - du musst ja lediglich empfangene Nachrichten in darstellen, Eingaben an die Twitter-API weiter leiten und ein paar Tasten an Nachrichten an Empfänger binden.


    Gruß, noisefloor

  • Also ich denke, es sollte für sowohl den Bediener als auch den "Sender" so einfach wie möglich sein. Daher würde ich sowas wie Dropbox o.ä. nicht in Betracht ziehen... Wer hat schon Lust seine Fotos vom Smartphone extra nur für Oma auf Dropbox & Co hochzuladen anstatt dies via Whatsapp o.ä. zu verschicken? :-/


    Also die meisten Smartphone Nutzer haben Whatsapp. Das gibts auch für Linux. Desweiteren benötigt man dann noch eine SIM Karte und somit für den Pi auch ein "Surf Stick" bzw GSM Modem.


    Allerdings sehe ich das ähnlich wie deets was "Einfacher" angeht. Mit einer Computer Tastatur wird es eher gegenteilig: umständlicher.
    Touchscreen ist eigentlich schon recht einfach. Nur muss man eben auf leichte Bedienbarkeit achten, was nicht bei allen Apps der Fall ist.


    Ich versteh aber auch nicht wieso der Pi eine Batterie haben soll, wenn er denn anscheint nicht wirklich zur Eingabe genutzt wird. funk Tastatur und Fernsehr. Dann kann der Pi auch ein Netzteil haben ;)


    Nimm ein billiges aber großes Tablet und erstell auf dem Pi eine Webseite, die dann beim öffnen des Browsers automatisch aufgerufen wird. Mit JavaScript und PHP kannst du dann recht einfach eine entsprechende Oberfläche basteln - was dann auf dem Pi gehostet wird.

  • Hallo snafu,


    ich habe sowas vor ein paar Jahren mal für meine Oma umgesetzt - die war damals 90 Jahre alt :)
    Tastatur habe ich weg gelassen - damit wäre sie definitiv nicht zurecht gekommen.
    Die Bedienung muss für jemanden in dem Alter, der/die noch nie mit Computern, Smartphones oder sonstigen interaktiven Geräten zu tun hatte, wirklich extrem einfach sein.
    Aus Sicht meiner Oma war das Teil im Grunde genommen ein Fernseher. Sie wäre gar nicht auf die Idee gekommen, damit zu interagieren. Sie hat sich nur die Fotos angeschaut, die automatisch angezeigt wurden.
    Ein weiteres Problem war, Enkel und andere Verwandte zu motivieren, die Bilder - oder sonstigen Content - überhaupt bereit zu stellen ;)


    Vielleicht ist deine Mutter da ja etwas fitter, als meine Oma es damals war :)
    Und deine Verwandten etwas engagierter :)
    Wenn dem so ist, ein paar Tips:


    - mache das Dateisystem read only, sodass du den Raspberry morgens per Zeitschaltuhr einschalten und abends per Zeitschaltuhr automatisch wieder abschalten kannst
    - Bilder und Nachrichten müssen automatisch angezeigt werden - eine gezielte Auswahl durch deine Mutter wird schwierig sein.
    - Nutze einen Touchscreen und platziere genau einen einzigen (großen) Button darauf (am unteren Bildschirmrand), der immer vorhanden ist und immer an der selben Stelle - egal, ob gerade ein Bild oder eine Nachricht angezeigt wird
    - Der Button heißt "Antworten". Wenn deine Mutter den berührt, wird dem Autor des Bilds oder des Textes geantwortet. Das würde ich dann mit Spracheingabe machen. Auch da nur ganz einfache Anweisungen. Zum Beispiel: "Spreche jetzt". Wenn ein paar Sekunden lang nichts gesagt wurde, wird das als "Sichern" interpretiert und die Nachricht per Audiodatei als Mailanhang an den Empfänger gesendet.


    Lange Rede - kurzer Sinn:
    - Raspberry automatisch hoch-/runterfahren
    - Allen Content automatisch in einer Endlosschleife abspielen
    - Nur ein einziger Button zur Interaktion
    - der Rest mit Spracheingabe (ggf. auch Sprachausgabe)


    Viel Spaß bei der Umsetzung,
    Kai-Uwe


    PS: Alles ohne rumliegende Kabel installieren - ansonsten Sturzgefahr !

  • radikaler vorgehen, und die Funktion erst einmal auf einen digitalen Bilderrahmen reduzieren


    Das klingt gut - zumindest für eine "Einführungsphase" - um zu gucken, ob das überhaupt angenommen wird. (Und die Enkel was schicken!)


    Twitter hätte außerdem den netten Seiteneffekt, dass man immer noch auf eine Smartphone- / Tablet-App umstellen kann, ohne Daten verloren zu haben.


    Stimmt! Wenn man später doch was andres will...


    Allerdings sehe ich das ähnlich wie deets was "Einfacher" angeht. Mit einer Computer Tastatur wird es eher gegenteilig: umständlicher.
    Touchscreen ist eigentlich schon recht einfach.


    Ich habe ihr mal ein Tablet hingelegt und ein wenig Endkundenstudie getrieben: Hauptproblem war, immer wieder irgend was weggewischt zu haben, und das nicht wiederzufinden.
    Eine Taste ist immer da, und an der selben Stelle.


    Ich versteh aber auch nicht wieso der Pi eine Batterie haben soll, wenn er denn anscheint nicht wirklich zur Eingabe genutzt wird. funk Tastatur und Fernsehr. Dann kann der Pi auch ein Netzteil haben ;)


    Ach so, vielleicht unklar ausgedrückt: Soll nur sicherstellen, dass man den Pi einfach ausstecken kann, ohne Datenverlust.



    Ein weiteres Problem war, Enkel und andere Verwandte zu motivieren, die Bilder - oder sonstigen Content - überhaupt bereit zu stellen ;)


    Ja, deswegen werde ich wohl __deets__ Tip mit "erstmal nur Bilderrahmen" befolgen


    - mache das Dateisystem read only, sodass du den Raspberry morgens per Zeitschaltuhr einschalten und abends per Zeitschaltuhr automatisch wieder abschalten kannst


    Reicht es, nur auf read only zu stellen? Muss ich nicht auch alle Prozesse, die schreiben wollen, so konfigurieren, dass sie das nicht tun? Sonst Fehler??


    - Der Button heißt "Antworten". Wenn deine Mutter den berührt, wird dem Autor des Bilds oder des Textes geantwortet. Das würde ich dann mit Spracheingabe machen.


    Hey, daran hab ich ja noch gar nicht gedacht, super Idee! USB-Soundkarte, fertig...


    Schon mal vielen Dank für euren Input!


    schönes Wochenende
    snafu

  • Hallo Snafu,


    den Vorschlag von Kai-Uwe finde ich sehr gut.


    Ich würde da noch einen drauf setzen.


    Da das Teil ja Internet-Zugang hat, kannst Du auch STT und TTS einsetzen.


    STT steht für Speach-to-Text. Alles, was Deine Oma spricht, wird nicht nur als Sprachdatei zu wem auch immer geschickt, sondern auch als SMS/eMail an die Person geantwortet, die Ihr eine Textnachricht / eMail geschickt hat.


    TTS steht für Text-to-Speach. Jede Textnachricht / SMS / eMail, die Deine Oma erhält, wird vorgelesen.


    Ich habe diese beiden Sachen mal für eine Sprachlern-Software eingesetzt, die gesprochenen Text übersetzt. Also gesprochene Sprache in Text umgewandelt, dann Text in eine andere Sprache übersetzt und dann den Text in einer anderen Sprache aussprechen lassen.


    Wenn Du das bei Dir einbaust, dann kann jeder mit welchem Medium auch immer kommunizieren - Deine Oma braucht nur auf einen Buttoin auf dem Bildschirm zu drücken - und ansonsten nur zu sprechen. Das stellt dann wohl die anwenderfreundlichste Nutzbarkeit dar, die man sich vorstellen kann.


    Beste Grüße


    Andreas

    Ich bin wirklich nicht darauf aus, Microsoft zu zerstören. Das wird nur ein völlig unbeabsichtigter Nebeneffekt sein.
    Linus Torvalds - "Vater" von Linux

    • Icon-Tutorials (IDE: Geany) - GPIO-Library - µController-Programmierung in Icon! - ser. Devices - kein Support per PM / Konversation

    Linux is like a wigwam, no windows, no gates, but with an apache inside dancing samba, very hungry eating a yacc, a gnu and a bison.