Fernuni Hagen - jemand Erfahrung gemacht?

  • Ich bin auf der Suche nach einer Fernuni, dabei bin ich unter anderem auf die Fernuni Hagen gestoßen. Hat jemand vielleicht Erfahrungen mit dieser Uni gemacht und könnte mir von dieser berichten?

  • Ich habe da vor gut 20 Jahren ein Fernstudium "Politik" gemacht - war ganz lustig
    und nicht zu anspruchslos, aber das ist lange her...

  • Meine Frau macht da Psychologie, mein Nachbar irgendwas mit Governance. Alle überwiegend zufrieden. Je nach Studiengang sind die Inhalte mitunter etwas verschieden von den regulären Präsenzstudiengängen. Insbesondere fehlt bei Psychologie zB der (praxisbezogene) klinische Teil, was die zukünftige Berufswahl und eventuelle Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung einschränkt. Beim Jura-Studiengang kann man zB in Hagen auch kein Staatsexamen machen (anders, als bei einigen der wenigen Jura-Bachelor-Präsenzstudiengängen). Darüber muss man sich im Vorhinein klar sein.


    Die Kosten hängen ebenfalls ganz massiv vom Studiengang ab, scheinen mir aber überwiegend human. Die Betreuung hängt vom Team der jeweiligen Module ab, aber das Studium basiert im wesentlichen darauf, dass man Skripte zugeschickt bekommt und Fragen dazu in einer digitalen Lernumgebung (Moodle) diskutieren kann, wo auch die Dozenten und ihre Mitarbeiter antworten. Was mir sehr gut gefällt ist die Zusammenarbeit unter den Studierenden. Die Vernetzung ist dort echt von Vorteil, viele Unterlagen (Pflichtliteratur, Mitschriften, alte Klausuren&Lösungen) werden zB in einer gemeinsamen Dropbox oder auf eigenen Websites/Blogs gehostet und regulär geteilt. Es hat sich auch in jedem Semester eine lokale Lerngruppe zusammengefunden, was auf Grund der hohen Immatrikulationszahlen auch sehr wahrscheinlich ist, wenn man nicht völlig ab vom Schuss wohnt.


    Mehr Infos auf Anfrage :)

  • Hi,


    also ich selber wohne in Hagen und kenne dadurch auch ein paar die da hingehen und die sind alle sehr zufrieden.


    gruß
    Nico

    Raspberry Pi Rev. 2 512mb


  • Heya,

    ich hab gerade ein Vollzeit-Semester hinter mir (zwei Module, die mich nicht wirklich interessiert haben, die ich aber als Vorbereitung brauchte) und mein Fazit ist grundsätzlich erstmal positiv...
    (nicht nur, weil ich gestern meine letzte Klausur in "mir-egal-vorbereitungs-Fach" hatte und jetzt das kommt, was mich interessiert :)
    :bravo2:
    Ein paar Sachen, die mir aufgefallen sind im letzten Semester:


    * Was fehlt ist der Druck von aussen, muss man sich selbst machen. Ob du weitermachst oder nicht, interessiert niemanden und die "Abbrecherquote" ist schon recht hoch.

    * Organisation und realistische Einschätzung Zeit. Da ich erst um 9.30 morgens bei der Arbeit anfange, kann ich morgens zwei Stunden und dann nochmal am Wochenende einen ganzen Tag reinhängen. Muss klar irgendwo im Tagesablauf eingeplant sein, wie Arbeit.

    * Die Leute, die Entschuldigungen finden (ich konnte nicht, weil...), hören auf. Hier gibts keine persönliche Umgebung in dem Sinne von "Ausnahmen und Kulanz" - es ist klar organisiert. Pruefung ist exakt XX Uhr, egal wo auf der Welt du schreibst. Bist Du krank oder ist irgendwas anderes, belegst du das Modul nochmal (Wiederholung, ist dann zwischen ~€100-200 statt ~€500-600/Vollzeit) und schreibst ein halbes Jahr später. Punkt. Wenn du krank bist und nicht antrittst ohne sofortiges Attest, wird es als durchgefallen bewertet. Wenn Du in China wohnst und dein Kurs ein Pflicht-Wochenendseminar hat, dann musst Du anreisen (die Präsenzkurse, falls benötigt, sind sehr gering und es gibt eine Auswahl an Daten und Orten dazu...).

    So, Fernuni-Hagen spezifisch:
    In Realo sieht das Ganze so aus: Du wühlst Dich durch die Homepage, schaust, wie dein Wunsch -Studiengang aufgebaut ist (Besteht aus Modulen, die dann in Kurse untergliedert sind) schreibst Du dich ein (Kursnummern angeben). Dann kriegst du 1) Briefe mit Bestätigung und Zugangsdaten fuer a) Moodle Lernumgebung und b) den "virtuellen Studienplatz" (Deine Daten, die Studienunterlagen/Studienbriefe als PDF etc) und 2)einen Pack mit der Papierform der Studienbriefe. So 3-5 Kilo:P
    Und dann wühlst du dich weiter durch und versuchst herauszufinden, was wo an Pruefungen, Hausarbeiten, Voraussetzungen und Präsenzseminaren gefordert wird. Die Moodles sind nicht immer so wahnsinnig uebersichtlich. Und dann Studienbriefe anschauen, Seiten zählen, ausrechnen, wie viel Du pro Woche mindestens durchmachen musst und dann das Ganze durcharbeiten (es gibt "kleine" Online-Kurse am Anfang, mit Studientipps und wie-lerne-und-studiert man Techniken). Dabei bist Du aber nicht alleine, je nach Kurs und Fach (und Einsatz Kommolitonen) wird Parallel im Moodle diskutiert, es finden sich Leute zu Lerngruppen zusammen und fuer jedes Fach ist im Moodle auch neben den unbetreuten Bereichen, in denen man lustig vor sich hindiskutiert und gegenseitig Fragestellungen der Module.


    Was ich positiv finde:
    FU Hagen:
    *ich habe zwar keinen direkten Kontakt, kein persönliches Bild von den Betreuern, aber wenn man eine Frage stellt und explizit dazu schreibt: "Bitte um Feedback" ist immer eine Antwort da, meist relativ schnell. (Unterschiedlich organisiert je nach Modul, aber es ist klar, ob ein Forum betreut ist oder nicht, fuer jeden Kurs gibts einen betreuten Teil). Du bekommst eine Antwort, immer, professionell, objektiv, manchmal mit link zu mehr Info/weiterfuehrender Literatur.

    *Wesentlich mehr "fachlicher Austausch" unter den Studenten als das bei meinem Präsenzstudium der Fall war - Leute stellen Fragen, posten Zusammenfassungen, Zusatzmaterial, Lernkarten als Hilfe und antworten auf Fragen. Und ueber Facebook und ein Studienwiki sammeln sich auch Gedächnisprotokolle und Infos von vorigen Semestern.

    * Zumindest meine Studienbriefe waren klar durchdacht und strukturiert, man konnte so ein bisschen die Kalkulation sehen "wie viel Lernaufwand braucht er hier, wieviel hier... dann packen wir hier noch ein Kapitel rein und nehmen das hier raus" (Einer meiner Kurse war lustig, er hatte z.B. exakt 15-16 Seiten pro Unterpunkt. Was teilweise kontraproduktiv war. aber hey, organisiert. Allerdings wurden Referenzen zu den gelöschten Kapiteln teilweise nicht herausgenommen) - also ganz klar darauf zugeschnitten, dass es anspruchsvoll aber machbar ist. Ich hatte auch das subjektive Gefuehl, dass durch Ueberarbeitung und Kontrolle von verschiedenen Mitarbeitern und Profs gemeinsam an den Studienbriefen kein/kaum Raum fuer Eigen Willkuer


    Generell Fernstudium:
    * Viele haben die gleichen "Probleme" und man kriegt von Wildfremden mal ein bisschen Trost/Motivation zugesprochen oder Hilfe.
    * Das sich-selbst-verändern: Dadurch, dass man allein ist, merkt man viel mehr, wie sich Denken und Wissen ändern und es tut gut!
    * Durch Distanz bleibt das Ganze etwas professioneller, keine Meckerei von Kommolitonen, kein ewiges "Hierarchie"-Geplänkel untereinander. Mag vielleicht in Jura oder BWL anders sein, aber das ist dann Charaktersache. (Bin Jura-Rassist :P )


    Negativ:
    FU Hagen:
    * Organisatorisch: Man ist schon auf sich allein gestellt, vor allem, sich erst einmal zurechtzufinden am Anfang und sich zu orientieren ist nervig, weil m.E. manche Sachen im Moodle doch teilweise echt unsystematisch sind. Auf der FU Seite habe ich teilweise Sachen so schlecht gefunden, dass ich über Google gegangen bin...

    * Wie und ob diskutiert wird, ob sich Lerngruppen bilden etc. hängt schon stark von den Kommolitonen ab.

    * Übliche Probleme bei so grossen Organisationen: Struktur-Änderungen daern, einige Sachen sind halt so wie sie sind (wissenschaftliches Arbeiten mit dem Netz Stand 2007 oder so... erm ok.) Man muss schon ein paar Sachen mit Nachsicht sehen

    * Bibliothek fand ich nicht so prickelnd (Fernleihe. ERNSTHAFT? Keine Einschränkung Suchergebnisse eBooks möglich....!? Ich leb/reise im Ausland umeinander.) Mag aber sein, dass ich nicht genug geschaut habe (nur 1-2 Recherchen), aber da ich vor Ort Zugriff auf ein paar Millionen Bücher habe, war mir das dann egal.

    * Schon in gewisser Weise "Massen" Uni.


    Generell Fernstudium:
    * Auf sich selbst gestellt: Freunde und Familie können das alles nicht nachvollziehen, keinen interessierts - kein Austausch und niemand zum "Mitfreuen" und "Dampf-Ablassen", und sie können oft nicht nachvollziehen, warum man keine Zeit für sie und alles Private mehr hat. Wird schon sehr eingeschränkt.


    * Dauer: Das Ganze passiert neben dem “normalen Leben” – die meisten machen es teilzeit, und über 5 Jahre oder so bei etwas zu bleiben, das nicht zwingend notwendig ist und dem man nicht emotional und persönlich verbunden ist... nicht einfach.

    * Der Kontext der menschlichen Seite fehlt schon teilweise, das "Reaktive" und Informelle in den Vorlesungen. Fragen werden zwar beantwortet, aber so richtige "Diskurse" gibts dann doch nicht.

    * Sich GRUNDlegende Sachen erklären zu lassen so a la Vorlesung geht im Forum eher nicht - die Studienbriefe und Themen muss man sich selbst erarbeiten, auch mit externen Quellen und das ist weniger leicht als durch direkten Vorlesungen.

  • Ganz ehrlich, für mich wäre das nichts. Einerseits erfordert es zuviel selbstdisziplin, zum anderen möchte ich das universitäre Umfeld eines realen Campus nicht missen. Ich kenne einen, der hat dort seinen Abschluss als Psychologe gemacht, aber ich hatte immer den Eindruck, täglich selbst in eine Vorlesung zu gehen, bringt mehr persönlichen Bezug zum Fach.