"Haltbarkeit" Raspberry Pi

  • Ich würde nochmals einige Schritte zurückgehen und bereits gestellte Fragen/Probleme aufgreifen.
    a.) Was soll eigentlich der Nachwelt erhalten werden (Bilder, Texte...)? Das kam glaube ich von Gnom?!
    b.) Warum kann das nicht in einem nachweislich dauerhaftem "einfachen" Medium wie Papier erfolgen (Komplexität vermeiden)? Das geht auf Jar zurück.
    c.) Wie lange soll die Information erhalten bleiben (wurde mehrfach erörtert) und wie sieht es um unsere Sprache zu diesem Zeitpunkt aus (Andreas)?


    Sind diese Punkte geklärt, dann scheiden einige Lösungen vermutlich sowieso aus und damit auch deren technische Probleme.

  • Zu a) wissen wir leider noch nichts. Aber ich denke doch mal, dass es eher um Alltagsgeschichte geht und nicht um die Konservierung hoher Zivilisationserrungenschaften. Also doch eher Bilder, Zeitungsfaximiles, Musik, Sprache, Videos, einige Texte, Daten usw.
    Zu b): Ich denke schon, dass sich Starri mit der Frage in einem Pi-Forum gemeldet hat, weil er überlegt, wie er das mit einem Pi machen kann. Vorschläge, die davon weiter entfernt sind, gehören dann vielleicht in andere Foren (Archäologie, Papierwissenschaften, ...).
    Zu c): Die Sprache spielt ja erstmal eine geringere Rolle - in 300 Jahren sollen die Finder den Pi einschalten und klicki-bunti erstmal über lustige, antiquierte Bilder staunen. Die Sprachforschung können sie dann immer noch anstellen. Außerdem ist es ja auch heute kein allzu großes Problem, die Luther-Bibel aus dem 16. Jahrhundert. zu lesen. Interessant wird es eher, wie man eine Bedienoberfläche so gestaltet, dass der Mensch im 24. Jahrhundert nicht versehentlich auf "erase partition" oder sowas ähnliches klickt. Vielleicht zuerst mal ein Autodemo, das zeigt, wie das alles funktioniert... Einen Langenscheidt 21. Jhd. -> 24. Jhd. / 24. Jhd. -> 21. Jhd. können wir ja schlecht beilegen.
    Ich gehe ja auch nicht davon aus, dass wir einer Post-Nuklearkriegs-Gesellschaft alles ganz von Anfang an erklären müssen. Was würden wir denn heute von einem vergleichbaren Erbe aus dem Mittelalter erwarten? Ein paar Schriftrollen, ein paar Ölbilder auf Holz, eine Flasche Wein und ein paar Schmuckstücke, ein kaiserliches Dekret (in Latein) und eine Landkarte... Wir können ja nur die dinge unserer Zeit liefern. In 100 Jahren gibts vielleicht 4D-Bilder mit Geruch, Wind und Gefühlen bei denen man sogar den Zeitpunkt mit seinem iPhone 146c einstellen kann... da werden die ordentlich gähnen über unsere öden HD-Filmchen...

    Oh, man kann hier unliebsame Nutzer blockieren. Wie praktisch!

  • Hallo Starri,


    Danke :)
    Hast du auch schonmal an so etwas gedacht? Und wenn du damit beruflich zu tun hast, wie rasant entwickelt sich die Technik zur Langzeit-Lauffähigkeit nach deinem Empfinden momentan?


    Nee, wirklich nicht. Ich finde es putzig, wenn ein Hersteller von CDs oder DVDs garanziert, dass darauf gespeicherte Daten in 100 Jahren ohne Datenverlust noch gelesen werden können. Und das mit dem Wissen, dass die Hardware, mit der gebrannt würde, nicht mehr existieren wird und die Software garantiert auch nicht mehr vorhanden sein wird.


    Interessanterweise hat die Firma bei dem Sunami mit anschließendem Fukushima 2011 ihre Produktionsstätte verloren und brauchte geraume Zeit, überhaupt was produzieren zu können. Die ersten an anderer Stätte gefertigten Scheiben waren nicht brennbar, waren nach Monaten ausgefallen etc.


    Beste Grüße


    Andreas

    Ich bin wirklich nicht darauf aus, Microsoft zu zerstören. Das wird nur ein völlig unbeabsichtigter Nebeneffekt sein.
    Linus Torvalds - "Vater" von Linux

    • Icon-Tutorials (IDE: Geany) - GPIO-Library - µController-Programmierung in Icon! - ser. Devices - kein Support per PM / Konversation

    Linux is like a wigwam, no windows, no gates, but with an apache inside dancing samba, very hungry eating a yacc, a gnu and a bison.

  • Als ich mal (vor ca. 25 Jahren) beruflich was mit Archiven zu tun hatte, kam das Thema Datenspeicherung über lange Zeit naturgemäß auch auf den Tisch...


    Primär wurden _alle_ Dokumente auf Mikrofiches (3 Kopien auf jeweils 3 verschiedenen Chargen Filmmaterials) verfilmt, weil die Haltbarkeit fotografischer Materialien als hoch (>50-100 Jahre) eingestuft wurde.


    Die Speicherung auf elektronische Datenträger führte zu folgenden Prämissen:

    • Das 1. Medium (damals CDs) muss alle 5 Jahre umkopiert werden.
    • Das 2. Medium (Magnetband) muss alle 5 Jahre umkopiert werden.
    • Es ist die jeweils aktuelle Technologie zu verwenden, welche die längste Datenhaltung verspricht.
    • Es sind grundsätzlich mindestens 2 verschiedene Technologien zu verwenden
    • Die Technik, mit der die Medium geschrieben (und auch gelesen werden soll), müssen in mehrfacher Ausführung (mindestens 3 Geräte) und getrennt von den Speichermedien eingelagert werden (Ebenso wie die Datenträger, in spezielle KlimaContainer, stickstoffgeflutet, luftdicht verpackt, definierte Feuchte und Temperatur, Lagerung zumindest in Kellerräumen oder Bunkern) - mit Brandschutzeinrichtungen usw. versehen und an verschiedenen Orten räumlich getrennt.
      Der Aufwand ist entsprechend hoch und kostet...
    • Eine Speicherung auf Magnetplatten wurde erwogen, aber dann aufgrund der Unzuverlässigkeit der Plattenlagertechnologie verworfen (Schmiermitteldiffusion, Verharzung) - Spezialplatten schieden aus Kostengründen (Geringe Stückzahlen, relativ geringe Speicherkapazität, extrem hoher Preis) damals aus.
    • Als Aufzeichungsformat wurden ASCII (Plain Text), BMP und PDF empfohlen... (letzteres mit Schmerzen).
    • ... daneben gab es noch so einige weitere Regelungen (Zugriff, Verantwortlichkeiten, Notfallpläne)...


    5 Jahre erscheinen recht kurz, jedoch ist zu bedenken, dass die Daten _sicher_ umkopiert werden sollen. In wie weit diesen Prämissen dort heute noch gelten, weiß ich nicht.


    Eine Speicherung auf Magnetplatten / Flash-Speicher halte ich bei einer angestrebten Verweildauer von 50-300 Jahre für illusorisch, da kann auch ein RasPi nix retten - zumal sich dessen Flashspeicher in 10 Jahren auch verabschiedet hat (mit oder ohne Strom).


    Manchmal ist das einfachst noch das Beste: Wenn man sich Kirchturmspitzen ansieht, sieht man oft solche runden Kugel auf den Spitzen: Sehr oft wurden (und werden noch) dort Metallkassetten gelagert (oft zugelötet), in denen historische Unterlagen und auch Gegenstände hinterlegt wurden/werden - ganz ohne Elektronik.
    Wenn sowas mal geöffnet wird, ist es oft noch recht gut erhalten (Wenn nicht gerade schlechtes Papier/Tinte zum Einsatz kamen).
    Manchmal aber auch total zerstört...


    Ich will den TO ja seine Idee nicht kaputt machen, aber einfach mal die Realitäten beleuchten: Zeit und Umwelt sind harte Gegner :-)

  • Hallo,


    ich will nur mal was zur Kapsel schreiben: Glas ist nicht die beste Wahl, das wird im laufe der Zeit porös und rissig = es könnte Gas und Feuchtigkeisdurchlässig werden. Gummi oder andere ander Kunststoffe (als Dichtung) beinhalten Weichmacher, die sich nach gewisser Zeit verflüchtigen = undicht. Mit Messing ist das so eine Sache, der Zinkgehalt bring nur noch ein chem. Element mehr ins Spiel. In manchen Regionen ist der Boden stark überdüngt, sauer, kalkhaltig oder nitratbelastet, was sich auch für Messing nachteilig auswirkt.
    Man muss auch da das Fahrad nicht neu erfinden. Unsere Vorfahren, die im Übrigen gleich intelligent waren wie "wir" heute, nutzen schon vor über 5000 Jahren Bronze, eine Kupfer-/Zinnlegierung. Das wären die selben Bestandteile, die man bei üblicher Elektronik vorfindet. Mehrere tausend Jahre vorher verwendete man schon Birkenpech als Kleb- und Dichtungsmittel das bis heute noch seinen Dienst erledigt. Das kann man kaufen oder selber herstellen.


    Bei mir wäre die Kapsel aus Bronze, mit Birkenpech versiegelt, in einem Keramik- oder besser Steingutgefäß mit Deckel, dieses ebenfalls abgedichtet und max. zwei Meter unter die Erde. Die armen Kollegen sollen ja später nicht so tief graben müssen. ;)


  • Als ich mal (vor ca. 25 Jahren) beruflich was mit Archiven zu tun hatte.....


    Ich weiss nur das alles aus meiner Prüftechnikzeit 1990 bis heute überlebt hat war die SW die ich von Platte zu Platte kopiert habe und die Ausdrucke.


    Zwischenzeitlich kaputt gegangen oder unlesbar geworden sind,


    5 1/4" Disk, 3,5" Disk, 44 MB Wechselplatte Syquest, div. CDs, 105 MB 3,5" ZIP Wechselplatten.
    Schon in den '90er waren diverse Streamerbänder (Namen vergessen) nach 1-2 Jahren nicht mehr lesbar.

    lasst die PIs am Leben !
    Energiesparen:
    Das Gehirn kann in Standby gehen. Abschalten spart aber noch mehr Energie, was immer mehr nutzen. Dieter Nuhr

  • Privat habe ich aktuell recht gute Erfahrungen mit DVD-RAM-Disks gemacht:
    Die sind einerseits hard-sektoriert, andererseits wird da die Aufzeichnung irgendwie anders gemacht (andere Materialien?), jedenfalls sind DVD-RAM-Disks aus dem ca. 2003 derzeit noch ohne Fehler lesbar.


    Ich hatte die vor 2 Monaten mal angefasst und war selbst erstaunt... Bilder, Dokumente, Sourcecode... alles da... gerade noch mal geprüft ... geht noch...


  • Privat habe ich aktuell recht gute Erfahrungen mit DVD-RAM-Disks gemacht:


    ich habe 20 DVD RAM Verbatim und Panasonic, die meisten sind nicht mehr lesbar, witzigerweise oder nicht, immer wieder lesbar auf dem Laufwerk wo sie zuletzt "formatiert" wurden, aber das hilft ja nicht, ich mag ja altes nur lesen wollen und nicht neu "formatieren", aber immer wieder neue Laufwerke kaufen die ne Weile nicht genutzt wurden ist auch keine Lösung.

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