Leben und leben lassen ....

  • Natürlich soll die Seele auch gesund sein. Sehe ich auch so.
    "Die Gesellschaft/das System...", wir leben hier in einem nicht übermäßig großen Land mit sehr vielen Menschen zusammen.
    Das funktioniert schon anders als wenn man allein in der Kalahari unterwegs ist.
    Ich finde es hier eigentlich nicht so richtig schlecht.
    Ich bilde mir ein ich würde mein Ding machen, ich kümmere mich einfach nicht darum was die Leute sagen.
    Jeder Mensch wird überall durch irgendetwas "ferngesteuert", es sind immer Zwänge da, ich halte das nicht für das eigentliche Problem.
    Wichtig scheint mir, gewisse Anforderungen zurückdrängen zu können. Arbeitsbelastung, Zeitvorgaben, Termine, das macht mich krank, das würde ich gern in die Schranken weisen.

  • Schlecht ... ich behaupte nicht, dass es schlecht ist ...


    Ich bin nur der Meinung, dass man sich das Leben um einiges einfacher machen könnte, würde man mehr auf seine innere Stimme hören.
    Über kurz oder lang wird imho jeder mit Tatsachen konfronitiert, die er lieber unter der Decke halten würde.
    In meinen Augen hat jeder die Wahl, zu warten, bis dieser Tag eintritt und er sich dann zwangsläufig damit auseinandersetzen muss, oder sich bereits im Vorfeld damit auseinander zu setzen, damit dieser Fall erst gar nicht eintritt.
    Ehrlichkeit sich selbst gegenüber und Mut sind da sehr wichtig ... aber an einer solchen Herausforderung kann man m.E. nur wachsen.


    Du hast da schon einen gewissen Erkenntnisstand erreicht, wie mir scheint. Und auch diese "Arbeitsbelastung" gehört für mich in den Bereich der Fernsteuerung. Du hast erkannt, dass dieser Druck Dich krank macht und möchtest ihn "in die Schranken weisen".


    Ich will Dir jetzt nichts einreden oder aufdrängen, sondern nur mal was verdeutlichen:
    in meiner Welt gibt es drei Vorstufen, etwas zu erreichen: "ich möchte", "ich will" und "ich bin entschlossen" ...
    So gesehen hast Du ein Problem erkannt und bist dabei im Moment bei Vorstufe 1.
    Die Frage ist, wann Du bei Vorstufe 3 bist, und etwas unternimmst. Und das ist meiner Erfahrung nach oft viel zu spät - so spät, dass ich von meinem unbewussten Ich (sprich meiner Gesundheit) dazu gezwungen wurde.


    So geht es imho den meisten Menschen in unserem Kulturkreis ... und ich fände es schön, wenn meine Mitbürger das erkennen und rechtzeitig gegensteuern würden.


    Aber es ist leider scheinbar die Natur des Menschen, einen bequemen Weg zu gehen, die Verantwortung von sich weg zu schieben (der Staat, die anderen, der Gesetzgeber, mein Nachbar, ...) statt sich bewusst zu machen, dass von allem auch ein Teil davon in mir steckt.


    Du hast eine Aussage gemacht, die sich mit einem Spruch bei uns deckt: wenn a jeda auf si sejm schaugt, is auf jedn gschaut ...


    Vielleicht noch ein reales Beispiel zum Thema Arbeitsbelastung:
    ich habe als Freiberufler gearbeitet und konnte mir nie vorstellen, mal zwei, drei Wochen Urlaub zu machen. Das passte gar nicht in mein Denkmuster ... Aquise, Folgeaufträge, Marktdruck, ...
    Bis zum ersten Herzinfarkt ... und plötzlich stellte ich erstaunt fest, dass es auch mal 3 Monate ohne arbeiten geht.
    Diese Erkenntnis hätte ich einfacher haben können ... ;)


    cu,
    -ds-

  • Jetzt hast du mich :-)


    Ich bin vermutlich noch nie entschlossen gewesen.
    Ich stelle nur in letzter Zeit einen Hang zum Bremsen fest, jemand drängelt, ich nehme mir Zeit. Und mein Fell wird auch jeden Tag dicker.
    Und was die Gesundheit betrifft, auch so eine fiese Eigenart unserer Kultur, wer durch Krankheit ausfällt, hat den Respekt der Gesellschaft, denn er hat alles bis zum Letzten gegeben.
    Ein Herzinfarkt droht mir nicht (ich kann in die Zukunft sehen :-) Bandscheibenvorfälle und Kniebeschwerden aber schon.


    Glücklicherweise habe ich einen Boss, der managt alles, ich muss mich um niedere Verwaltung nicht kümmern.


    Manchmal sehe ich am Straßenrand Leute mit Bierdosen in der Hand in lebhafte Gespräche vertieft, dann frage ich mich schon, wieso ich mich nicht dazu stelle, wenn ich was kann, dann ist das Bier trinken.
    Die leben doch auch, was soll die ganze Ackerei.


    Da müsste ich nur meiner Familie einiges erklären.


    Schon wieder, Sachzwänge. Mir fehlt der Lottogewinn, man muss aber schon mitspielen habe ich mir sagen lassen.


    Wie auch immer, ich hoffe auf ein kollektives Umdenken, jeder bremst ein wenig, vielleicht reicht das schon.


  • Nun, ob Du da tatsächlich den aufrichtigen Respekt der Gesellschaft hast, wage ich zu bezweifeln ;) ...
    Ich bin mir sicher, dass nach einiger Zeit Aussagen wie "selber schuld, ...", "Du kannst doch noch blablabla..." ... kommen.


    Und was die "Biertrinker" betrifft: das sind imho Menschen, die auch den Fehler gemacht haben, zu spät die Notbremse zu ziehen, und die jetzt schlagartig mit einer Seite von sich selbst konfrontiert werden, mit der sie nicht umgehen können bzw. die sie nur unter dem Einfluss psychotroper Substanzen ertragen können.
    Ich selbst kenne einige ehemalige Berufskollegen, den es ähnlich ging. Einer davon hat die Bremse nicht gefunden, war in meinem Alter und ein Schulfreund von mir und ist bereits vor einigen Jahren einem Herzinfarkt erlegen.
    Ein anderer hat die Kurve gekratzt ... ok, er hat keine Familie und keine Angehörigen, die ihm etwas bedeuten. Er hat mit 40 das Handtuch geschmissen und lebt jetzt in Thailand, hat eine kleine Hütte und ein Moped, mit dem er durch den Dschungel düst.
    Ein dritter ist einer Deiner "Biertrinker" ... falsche Berater, falsche Freunde, falsche Entscheidungen. Von monatlich 15.000 Euro brutto auf Hartz IV Niveau ... ich hoffe inständig, dass er noch rechtzeitig die Kurve bekommt.


    Ich glaube, dass hier viele jüngere Leute unterwegs sind, und vielleicht tragen ja ein paar Gedanken hier aus diesem Thread dazu bei, achtsamer, behutsamer und liebevoller mit sich selbst und seinen Mitgeschöpfen umzugehen. Dann wäre schon viel bewirkt.


    //EDIT:
    Wobei ich anmerken möchte, dass meiner Meinung nach sich viele junge Leute mehr Gedanken um solche Dinge machen, als man allgemein vielleicht annimmt.
    Was fehlt ist so ein Ruck ... Summer of Love, Vietnam-Demos ... aber das ist eben der Punkt: die Schlinge (befristete Arbeitsverträge, ...) ist mittlerweile verdammt eng, und damit die Angst vor dem sozialen Abstieg - dafür habe ich durchaus Verständnis ... nur: wie lange geht das noch gut?




    cu,
    -ds-

  • Es ist schön zu lesen, das ich nicht der Einzige bin, der so denkt (mehr oder weniger). Mit meinen 31 Lenzen steh ich noch Anfang meines beruflichen Lebens und bin trotzdem jeden Tag aus neue erschrocken, wie viele, grade jungen Menschen, in einer Perspektivlosigkeit versinken und absolut nicht dagegen machen WOLLEN.
    Ich bin was IT angeht vielleicht auch etwas extrem und gehe relativ oft an meine Körperlichen und geistigen Grenzen. 12-16h Arbeit am Tag sind durchaus mormal ABER ich tue es freien Stücken. Ich kann nicht, wenn ich kurz vor der Lösung eines Problems stehe (wobei kurz auch recht lang sein kann, ich denke Ihr kennt dieses Gefühl wenn man der Lösung greifbar nahe ist), schlussmachen nur weil ich ja schon 7.30h auf Arbeit bin. Selbst wenn ich Schluss machen würde, mein Gehirn würde weiter tüfteln und umstrukturieren...aber Ich schweife ab.


    Und grade diese Einstellung vermisse ich heutzutage. Etwas zu Ende bringen, neue Wege zu bestreiten, sein Recht auf Scheitern einzufordern. Die meisten machen Dienst nach vorschrift, denken weil Sie mal vor X-Jahren ne ausbildung gemacht haben, reicht das für die nächsten 40 Jahre und wundern sich dann, wenn Sie bei Gehaltserhöhungen und Beförderungen übergangen werden, geben allen und jedem die Schuld und versinken am Ende in Ihrer Lethargie.
    Und diese selbstaufgebürdete Unzufriedenheit verbreiten sie dann weiter.


    Ich hoffe für mich das, wenn sich mein Körper sich meldet, ich diese Zeichen erkennen und deuten kann um dann notfalls die Reißleine ziehen zu können.


    so lomg,
    dbv

    Der Unterschied zwischen Genie und Wahnsinn definiert sich im Erfolg.

  • Quote


    [font="Tahoma"]12-16h Arbeit am Tag sind durchaus normal[/font]


    Der Wahnsinn!
    Ich bin im Alter von 20-30 Jahren den Mädels nachgestiegen, gibt es das nicht mehr?


    Arbeit ist ja gut und schön, aber irgendwann muss doch mal Schluss sein.

  • Hallo an Alle,


    mein erster erster Entwurf vom Post war knapp 1.500 Wörter lang. Ich hab beschlossen mich nur kurz auf das wesentliche zu beschränken :D



    Ich hab da übrigens noch so ein Beispiel:
    Angenommen, Dich ärgert eine Fliege beim Frühstück. Die meisten, denke ich, greifen zur Zeitung und ... zack :angel:


    Ich war vor kurzem eine Woche lang im Bhutan. Dort stellt der — von Dir bereits angesprochen — Buddhismus, die am weitesten verbreitete Religion dar. Es hat mich schon einwenig erstaunt, dass dort einfach Tiere auf der Straße rumliefen. Rudel von Hunden, Elefanten, Affen.. Im Himalaya teilweise auch Wildkatzen. Aber Niemand tut dem Anderen etwas und irgendwie leben alle dort friedlich zusammen.


    Seit dem lass ich die meisten Insekten einfach rausfliegen :D, warum soll ich ihnen was antun, wenn sie mich in Ruhe lassen? :huh:


    Allgemein war es ein sehr schöner Aufenthalt. Irgendwie lassen die Bhutanesen einander leben. Schade, dass wir das scheinbar nicht so gut hinbekommen. Das obwohl wir doch so weit entwickelt sind.. :geek:


    Warum können wir nicht einfach einander Leben lassen? Entscheidungen akzeptieren. Uns weniger Einmischen in Angelegenheiten, die uns nicht betreffen?


    Insgeheim versucht doch jeder von uns, den eigenen Weg als 'den Richtigen' darzustellen... Aber letztendlich müssen nur wir selbst mit unseren Entschlüssen und Handlungen leben können. Ansonsten niemand.

  • Ich denke mal, viel zu häufig ist Beruf und Berufung leider zweierlei. Spass an der Arbeit zu haben ist für das persönliche Wohl sehr wichtig. Dann spielt es auch keine so grosse Rolle, ob man 8 Std. oder mehr arbeitet, es sei denn, es handelt sich um schwere körperliche Arbeit.


    Als junger Mensch will man sich etwas leisten können, folglich auch gut verdienen und sich eine Existenz aufbauen, die nicht gleich bei jedem Wind zusammenfällt. Das wäre auch gut so, leider habe ich aber den Eindruck, daß so weitsichtig immer weniger gedacht wird, ein "nofuture" Denken scheint sich zunehmend zu verbreiten. Wenn dem tatsächlich so ist - äusserst bedenklich. Man scheint nur noch von heute auf morgen zu denken, der "schnöde Mammon" geht so schnell wieder raus, wie er reingekommen ist, man will mit teuren Markenartikeln glänzen und am besten immer nur "Spass" haben. :(


    dreamshader: Ok, daß man nach einem sehr ernsten Zwischenfall krass umdenkt und sein Leben ändert, ist naheliegend. Mir erscheinen Deine Argumente aber (etwas) zu krass. Wir alle sind von einem gewissen persönlichen Reichtum abhängig, nur dann ist eine nicht mehr gesellschaftskonforme Lebensweise mehr oder weniger angenehm möglich. Oder lebst Du nicht mehr von dem in den letzten Jahrzehnten mühevoll erarbeitetem Geld?


    Man kann es auch nicht verallgemeinern - der eine verträgt sowohl psychologisch als auch körperlich mehr, der andere weniger. Ca. 50% der Gesundheit sind nach meiner Einschätzung durch die Erbmasse bestimmt, die andere Hälfte bestimmt man selbst.


    Was unser kapitalistisches System betrifft, so ist einiges in einer Art und Weise ausgeufert, wie es toller kaum mehr sein kann. Was für ein Umgang mit dem Geld der Allgemeinheit bei den Banken und beim Staat und was für eine verlogene Beratung für den kleinen Mann. Was für eine unendliche Geldgier bei Leuten, die sich über Ihr Einkommen in keinster Weise beschweren können. Das muss und kann man aber wieder in den Griff bekommen.


    Dieses System aber deswegen gänzlich zu verteufeln wäre ein grosser Fehler. Was soll denn die Alternative sein? List und Schläue hatten bisher bei jedem System die Oberhand, das wird sich auch niemals ändern.


    Gruß, mmi


  • ...
    dreamshader: Ok, daß man nach einem sehr ernsten Zwischenfall krass umdenkt und sein Leben ändert, ist naheliegend. Mir erscheinen Deine Argumente aber (etwas) zu krass. Wir alle sind von einem gewissen persönlichen Reichtum abhängig, nur dann ist eine nicht mehr gesellschaftskonforme Lebensweise mehr oder weniger angenehm möglich. Oder lebst Du nicht mehr von dem in den letzten Jahrzehnten mühevoll erarbeitetem Geld?
    ...
    Gruß, mmi


    Ja hallo mmi :) ...


    es geht mir überhaupt nicht um materiellen Reichtum ... soll jeder soviel haben, wie er möchte - meinetwegen auch mehr.
    Ich gönne jedem sein Haus, seinen Daimler, seine Aktien ... weil es mir nichts (mehr) bedeutet.


    Mein "persönlicher Reichtum" besteht aus anderen Dingen. Ich habe wieder gelernt zu staunen, ich stehe sprachlos den Wundern unseres Kosmos gegenüber und freue mich wieder an Libellen, die mit einer irrsinnigen Geschwindigkeit über einen See huschen und halsbrecherische Flugmanöver vollführen.
    Ich habe gelernt, die Dinge zu akzeptieren, versuche meine Toleranzschwelle anderen Menschen gegenüber so hoch als möglich zu halten, bemühe mich jedem Menschen jeden Tag "neu" zu begegnen ... offen und ehrlich und ohne Groll wegen vergangener Vorfälle.
    Ich habe gelernt, mich und meine Mitgeschöpfe wieder zu "spüren", und versuche mir so oft wie möglich bewusst zu machen dankbar zu sein - dafür, dass ich ein Dach über dem Kopf und jeden Tag ausreichend zu essen und zu trinken habe, dass es sehr liebe Menschen gibt, die mich umgeben, dafür, dass ich immer noch in der Lage zu sehen, riechen, schmecken und fühlen bin und mich aus eigener Kraft um die Dinge rund um mein Leben kümmern kann.
    Ich geniesse es als Luxus, derzeit über relativ Freizeit zu verfügen und in diese so verbringen kann, wie es mir gerade vorschwebt.
    Das ist mein Reichtum - und der ist krisensicher, hat eine hervorragende Rendite und kann mir von niemandem genommen werden.


    Und was verstehst Du unter einer "gesellschaftskonformen Lebensweise" - da ist es wieder, das Zauberwort, das Menschen in den Ruin treibt, sie ihrer Empathiefähigkeit beraubt, die Triebfeder für unsere "Ellenbogen-Gesellschaft", die Grundlage für Raffgier und Sozialneid.
    Ich habe mein "mühevoll erarbeitetes Geld" vor langer Zeit schon verschenkt ... weil es mir - wie oben schon erwähnt - einfach nichts mehr bedeutete. Zudem war es nicht mühevoll erarbeitet sondern das Resultat meiner "gesellschaftskonformen Arbeitswut" und ich hatte an diesem Erarbeiten sogar meinen Spass. Aber es ist, im Nachherein betrachtet, für mich schmutziges Geld. Es klebt Blut daran - und zwar das Herzblut meiner Frau, meiner Tochter und mein eigenes.
    Ich habe mein bescheidenes Auskommen, es mangelt mir an nichts. Aber ich möchte auch nicht mehr, weil ich befürchte, dann den Blick für die kleinen Schönheiten des Lebens wieder zu verlieren.


    Es ist mir klar, dass das alles ziemlich "krass" erscheinen mag, und ich würde auch niemandem raten oder überreden, es mir gleich zu tun. Aber für mich stellt es eine Rückkehr ins Leben - auch wenn es nicht so ganz "gesellschaftskonform" ist - dar.
    Und das ist der eigentliche Grundstock meines "Kapitals": ich habe wieder das Gefühl, zu leben.


    cheers, und eine schöne Zeit noch allen, die das hier lesen bzw. gelesen haben und speziell für Dich, mmi :) ...


    -ds-

  • Hallo dreamshader,


    da hast Du mich wahrscheinlich falsch verstanden. Ich meinte, Du musst ja auch ein Dach überm Kopf haben und wenigstens jeden Tag was zum Essen auf dem Tisch ;)


    Deshalb bin ich davon ausgegangen, daß Dein Konto aus der vergangenen beruflichen Aktivität nicht leer sein wird. So wie Du es jetzt beschreibst, ist dem aber nicht so. Ich will Dir ja nicht zu nahe treten - aber wovon lebst Du denn dann?


    Ansonsten:


    Deine Einstellung in Ehren, da gibt's für mich auch gar nix zu kritisieren, mein Respekt wenn man so konsequent ist!


    Bei mir sieht es so aus, daß ich schon geraume Zeit vom Erarbeiteten ganz gut lebe und es wird mir wohl auch künftig reichen. Auf eine Rente habe ich nie gebaut und kann ich auch verzichten. Bin also reiner Steuerzahler ohne Gegenleistung, das kann sich ein Staat nur wünschen.


    Allerdings habe ich gesundheitlich auch keinen wirklichen Tiefschlag erlitten. Die Schönheiten der Natur auch bis zum kleinsten Lebewesen weiß ich ebenso sehr zu schätzen, ich lebe hier in einem kleinen Dorf sehr zurückgezogen mit meiner Frau - die Kinder sind ja längst aus dem Haus. Ansonsten habe ich ja grob meine Einstellung oben schon beschrieben.


    Gruß, mmi

  • Hallo mmi ...


    nun ... ich denke, eine Weile wird es noch für mein genügsames Leben reichen, danach wird sich zeigen, wie es weiter geht.
    Es gibt immer einen Weg ...


    Ausserdem, um vielleicht das alles noch rund zu machen, und zum weiteren Verständnis:


    Du darfst nicht glauben, dass der angesprochene erste Herzinfarkt der Auslöser war :) ...


    Dem mussten erst noch zwei weitere folgen, und der letzte Vorfall war dann der entscheidende - ich hatte die Wahl zwischen Transplantation, Bypass und sechsmonatigem weiter am Kern des Lebens vorbei gelebt zu werden.
    Ersteres kam für mich damals nicht in Frage. Ich hätte das Spenderorgan niemals als Teil von mir akzeptieren können und immer als Fremdkörper gesehen. Das wäre sinnlos gewesen und hätte imho nicht funktioniert.
    Über die zwei Alternativen habe ich sehr, sehr lange und sehr intensiv nachgedacht.
    Schliesslich habe ich mich dafür entschieden, mir noch eine Chance zu geben - und mein Leben gleichzeitig umzukrempeln - mit allen Konsequenzen. Ich war fest entschlossen, alles anders zu machen. Und das habe ich getan ... und als Belohnung wurde ich am Tag meiner OP - das ist zumindest meine Überzeugung - von den Kräften des Kosmos damit belohnt, dass ich für kurze Zeit Einblick in Dinge erhalten habe, die den meisten Mitmenschen wohl erst am Tag ihrer Rückkehr eröffnet werden.


    Und ... was ich auch noch dazu sagen möchte: es ist keinesfalls so, dass in meinem Leben seit dem alles Friede, Freude, Eierkuchen ist, auch wenn es vielleicht teilweise so klingen mag.
    Es gibt Höhen und Tiefen, Tage an denen mir alles über den Kopf zu wachsen scheint, Tage der Freude, der Trauer, des Ärgers und der Wut.
    Jeder Tag ist in gewisser Weise eine neue Herausforderung, und nur selten schaffe ich es, einen Tag wirklich zu 100% mit mir und meinem "Chi" oder wie immer Du es nennen magst, in Einklang zu sein.
    Es gibt Tage, da fällt mir alles leichter, und es gibt Tage, da habe ich das Gefühl mir zu viel aufgeladen zu haben.
    Ich denke, der Mensch wächst mir seinen Aufgaben ... und so gesehen, habe ich noch erhebliche Wachstums-Defizite.
    Es ist oft anstrengend für mich bewusst im Hier und Jetzt zu sein, und z.B. statt spontan mit einem "Du blödes Arschloch" auf eine Äusserung zu reagieren die Wahrheit zu sagen und zu fragen "Warum verletzt Du mich so?".
    Und auch ich reagiere oft noch "falsch", nehme mir aber die Zeit mich im Nachherein damit auseinander zu setzen und meinen Anteil an einer Situation zu hinterfragen. Manchmal auch unter Zuhilfenahme eines "Spiegels" in Form von Tarot-Karten, die mich mit der ungeschminkten Wahrheit konfrontieren, was meine inneren Defizite betrifft.


    Ok, wie gesagt, ich denke, das war jetzt mal die Chance, einen kurzen Blick hinter die Kulissen einer "etwas anderen" - nicht "gesellschaftskonformen" Lebensgeschichte zu werfen.
    Es soll kein Aufruf sein auszusteigen. Meine Rahmenbedingungen haben damals gepasst und ich bereue diesen Schritt nicht.
    Ich denke auch, dass so etwas wachsen muss und eine solche Entscheidung wie meine meist wohl nur in Ausnahme-Situationen ihren Auslöser finden.
    Aber, und das hatte ich auch schon erwähnt, vielleicht kann dieser kleine Auszug aus meiner Lebensgeschichte und die übermittelten Hintergründe ein Denkanstoss sein, Mut machen, es auch mal anders zu probieren und den einen oder anderen ermuntern, vielleicht ein klein wenig mehr von sich selbst zuzulassen.


    cheers und bis dann,
    -ds-

  • Hallo -ds-,


    auf jeden Fall ist Deine Darstellung beeindruckend und regt durchaus zu innigerem Nachdenken an.


    Quote


    Ich denke auch, dass so etwas wachsen muss und eine solche Entscheidung wie meine meist wohl nur in Ausnahme-Situationen ihren Auslöser finden.


    So ist es. Man glaubt einfach nicht, daß einen ähnliches ereilen könnte - man will es nicht glauben. Ähnliche der von Dir geschilderten Beispiele über (ehemalige) Kollegen kenne ich nur zu gut. Nunja, da bin ich vergleichsweise mit einem blauen Auge davongekommen.


    Lass' uns am besten weiterbasteln ;)


    Servus und ein herzlicher Gruß :thumbs1:
    mmi

  • Hallo mmi,


    dass sich meine Erfahrung mit Deinen Beobachtungen deckt, dass sehr häufig am Ende einer beruflichen Laufbahn ein mehr oder weniger heftiger Crash passier, ist schon erschreckend, aber ich habe ehrlich gesagt auch mit nichts anderem gerechnet.
    Und wenn dann noch die Schulfreunde nach und nach wegsterben ... da komme ich schon ins Grübeln.


    Aber Du hast recht, einige Ideen warten noch darauf umgesetzt zu werden.
    Jedenfalls freue ich mich darüber, dass ich das Angebot von Georg angenommen und diesen Thread sozusagen gerettet habe.
    Die Abrufzahlen zeigen mir, dass dieses Thema doch interessant zu sein scheint.


    Bis zum nächstenmal, mein Forenfreund, halt die Ohren steif - wir hören/lesen wieder voneinander ;) ... spätestens wenn ich mit meinem µNetz wegen eines ATMEL-auf dem Schlauch stehe :)


    cheers,
    -ds-