Raspberry gesprengt?

  • Hallo zusammen,


    (wie einfach) ist es möglich, seinen Raspberry zu killen?


    Bis vor kurzem lief der Raspi 1 Model B+ mit Ambilight relativ problemlos...


    Heute wollte ich dann noch nach folgender Anleitung https://howchoo.com/g/ytzjyzy4…ed-power-status-indicator noch eine LED anschließen, um den Schaltzustand des Pi auch ausserhalb seiner Behausung (hinter Holzvertäfelung) sehen zu können.


    Dazu habe ich eine LED mit 3*100 Ohm Vorwiderstand angeschlossen (100 Ohm hätten gereicht, aber sie sollte nicht so hell leuchten, Gesamtwiderstand gemessen mit LED: 324 Ohm) und entsprechend der Anleitung auf die PINS 6 (GND) & 8 (BCM 14/TXD) gelegt.

    Grundsätzlich hat dies auch alles wie erwartet funktioniert; flackern beim Hochfahren, leuchten in Idle-Mode. "Gut, passt, wieder alles verkleiden..."


    Während des Anbringens der vorgenannten Vertäfelung (Pi war angeschaltet) bzw. Anbringen/Justieren der LED wurde plötzlich der Pi dunkel... für immer...

    Ich will nicht ausschließen, dass ich während der Rödelei irgendeinen Kurzen verursacht habe, aber ich wüsste nicht wo/wie.

    Die Gretchenfrage: Wodurch/wie kann ich also den Pi gekillt haben, bzw. wie kann ich das sicher diagnostizieren?


    Symptome/Forschungen:

    1. Es kommt kein Bild mehr per HDMI

    2. Mit dem richtigen Netzteil (dem Offiziellen bzw. auch dem bisherigen Mean Well 5V 18A) leuchten die rote und grüne LED dauerhaft. Aber es passiert nix; kein Bild, kein weiteres Booten. (Mit schlechtem Netzteil leuchtet nur die grüne LED)

    3. Da 2. öfter mal als Symptom einer kaputten SD-Karte gewertet wurde, habe ich die Karte mal in meinen anderen Raspi (3) gesteckt: Bootet problemlos. Also die SD-Karte kann es nicht sein.

    4. SoC/CPU wird recht heiss, auch ohne dass was passiert

    5. Die Spannungen der PINs 1: etwas weniger als 2V (müssten ja 3,3 sein), PIN 2: 4,8 (eigentlich ja 5). Nähere ich mich hier dem Problem, oder ist das ok?


    Heisst es dann jetzt: Rest in Peace oder hat noch jemand Ideen?


    Beste Grüße

    B.

  • entsprechend der Anleitung auf die PINS 6 (GND) & 8 (BCM 14/TXD) gelegt.

    Wieso hast du GPIO14 dafür verwendet? Sofern du nicht explizit die Serielle Konsole deaktiviert hast kannst du diesen GPIO (und #15) nicht anderweitig verwenden... bzw werden darüber Daten ausgesendet, kein normales HIGH/LOW wie für eine LED erforderlich wäre. Das Flackern beim booten kommt halt durch Ausgaben des Kernels die auch im Idle erscheinen können... Was sagt das also aus? Nicht viel. Broken by Design. Such dir bitte einen anderen GPIO aus.


    Die GPIO's gehen ungebuffert/ungeschützt direkt zur SoC. Ein Kurzschluss, und sei es nur für einen Bruchteil einer Sekunde, kann den Pi also bereits beschädigen oder schrotten.

    Es gibt für solche Fälle sog. "troubleshooting resources" => https://elinux.org/R-Pi_Troubleshooting

    Dein "5." sagt aber eigentlich schon alles. Der SoC wird nur in 2 Fällen heiß: starke Auslastung oder geschrottet.

  • Hallo BeeFit,


    wie Du siehst, ist es ganz einfach, einen Raspberry Pi zu killen, zu grillen, in die Ewigen Jagdgründe zu befördern.


    Wenn die CPU sehr heiß wird, ist es meistens irreparabel. Wenn die SD, mit der Du zu booten versuchst, auf einem anderen Raspberry Pi funktioniert, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass der RPi, der niht booten will, defekt ist.


    Es gibt aus der Ära des RPi B (2013-2014) einige Berichte, dass Defekte, wie von Dir beobachtet, sich innerhalb von Tagen / Wochen zurückbilden. Aber eine Macke bleibt meistens. Sonderlich belastbar sind die Teile nach einem solchen Defekt jedenfalls nicht mehr. Ich hätte wohl das Vertrauen in einen solchen RPi verloren.


    Übrigens: Super Schadensbeschreibung!



    Beste Grüße


    Andreas

    Ich bin wirklich nicht darauf aus, Microsoft zu zerstören. Das wird nur ein völlig unbeabsichtigter Nebeneffekt sein.
    Linus Torvalds - "Vater" von Linux

    • Icon-Tutorials (IDE: Geany) - GPIO-Library - µController-Programmierung in Icon! - ser. Devices - kein Support per PM / Konversation

    Linux is like a wigwam, no windows, no gates, but with an apache inside dancing samba, very hungry eating a yacc, a gnu and a bison.

    Edited once, last by Andreas ().

  • Hallo BeeFit,


    es ist immer wieder traurig sowas zu lesen! :no_sad:


    Wenn ich mich richtig erinnere, hatten wir doch auch schon verbogene Pins im SD-Schacht, wo der SoC ins schwitzen kam. Evtl. vermische ich da auch was miteinander. :conf:


    Könnte bei der Montage ungewollt (punktuell) Druck auf den SD-Kartenslot oder die Karte selbst oder auch auf den Micro-USB-Port ausgeübt worden sein? Was passiert mit den LEDs wenn Du die Karte ganz weg lässt und wird der SoC dann auch wärmer als normal?

  • Ich würde alles am Pi abstecken, über Nacht liegenlassen und dann, nur mit HDMI Monitor und Keyboard probieren, ob er noch brauchbar bootet.


    (RIP ?)



    Servus !

    RTFM = Read The Factory Manual, oder so

  • Traurig ist, dass hier mal wieder eine LED mit 300ohm Vorwiderstand angeschlossen wird, was den zulässigen GPIO-Strom auf jeden Fall überschreitet. Ob der GPIO dadurch hoppsgegangen ist und vielleicht auch noch andere Bereiche des Schaltkreises mitgenommen hat - vielleicht auch den Spannungsregler? Bei einem Latch-Up, der kurzzeitig zu viel Strom zieht, braucht der Chip nicht merklich warm werden. Andererseits sollten moderne Spannungsregler wenigstens einen Eigenschutz gegen Überstrom haben.


    Bei 2V am 3.3V Pin darf der Pi nicht starten, allein die SD-Karte braucht stabile 3.3V um gelesen werden zu können.


    Karte raus, HDMI und USB-Teile abziehen, saubere! 5V-Versorgung anlegen, idealerweise aus einem Labornetzteil mit Stromanzeige. Hilfreich wären auch diese kleinen USB-Strommessgeräte (https://www.amazon.de/dp/B00ZPT6E1A/ref=psdc_2076415031_t2_B01BTRLVYQ?th=1 (Affiliate-Link), nur Beispiel keine Empfehlung). Raspi am besten anhand Schaltplan durchklingeln, welche Spannungen bei 5V und 3.3V anliegen: Vor Sicherung, nach Sicherung, an verschiedenen Stellen der Platine.


  • 100 Ohm hätten gereicht

    klar um den armen PI noch eher zu killen?

    Erkundigt man sich nicht vorher über die technischen Grenzen von Elektronik?

    Sitzt das Geld so locker?


    Während des Anbringens der vorgenannten Vertäfelung (Pi war angeschaltet)

    seit wann arbeitet man unter Spannung an Elektronik?

    lasst die PIs am Leben !
    Energiesparen:
    Das Gehirn kann in Standby gehen. Abschalten spart aber noch mehr Energie, was immer mehr nutzen. Dieter Nuhr
    (ich kann leider nicht schneller fahren, vor mir fährt ein GTi)


  • Üblicherweise berechnet sich der entsprechende Vorwiderstand anhand des passenden Datenblatts der LED, aber pauschal kann man auch einfach mit den üblichen Werten der LED-Farbe rechnen.


    Eine normale rote Led benötigt 20mA bei 2,3V. Eine blaue Led benötigt 30mA bei 3,3V.


    Wir kennen U mit 3,3V.

    Wir kennen Rges mit 324 Ohm.

    Wir suchen I.

    I = U / R = 3,3 V / 324 Ohm == 0,01018 A


    Da ein einziger GPIO aber nur mit max. 2mA belastet werden darf/sollte, muss in die Berechnung sozusagen diese Begrenzung mit einfließen.

    Normalerweise benötigt die LED mehr Strom, wir begrenzen den Strom aber auf 0,002A - das maximal zulässige eines einzelnen GPIO's des Pi's.


    Die Vorwiderstandberechnung würde also in diesem Fall eigentlich so aussehen:


    R = ( Uges - Uled ) / I = (3,3 V - 2,3 V) / 0,002 A = 500 Ohm




    Quelle: https://www.reichelt.de/reicheltpedia/index.php/LED




    Aber ich hab von Elektronik keine Ahnung :angel:

  • Hallo zusammen,


    ich kann mich mal entsinnen, dass es allgemeiner Konsens war, einen GPIO-Ausgang nicht mit mehr als 2 bis max. 3 mA zu belasten. BRacuht man mehr Strom, dann über eine Treiberschaltung.


    Daher sind solche Rechnungen, wie von meigrafd angestrengt, eher tödlich für einen Raspberry Pi. Da helfen auch Aussagen wie


    Aber ich hab von Elektronik keine Ahnung :angel:

    nicht wirklich weiter. Dafür glauben ihm zu viele blind...


    Bei meinen Rechnungen (maximaler Strom von 2 mA unterstellend) komme ich auf 620 bzw. 680 Ohm (rote, gelbe, grüne LED). Dann fließt ein Strom (auch gemessen) von knapp 2 mA. Damit bin ich immer auf der sicheren Seite.


    Beste Grüße


    Andreas

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  • Bei meinen Rechnungen komme ich auf 620 bzw. 680 Ohm. Dann fließt ein Strom von knapp 2 mA.

    Müsste doch in Eurem Interesse sein dass nicht nur ich es richtig lerne - aber wieso zeigt ihr dann nicht wie die Berechnung richtig auszusehen hätte? :-/

  • Hallo Meigrafd,


    das ist doch jetzt nicht Dein Ernst, oder?


    Es liege eine Spannung U = 3,3 V an. Gesucht ist der Widerstand R, der eine LED leuchten lässt, ohne die Spannungsquelle (einen GPIO-Ausgang mit mehr als I = 2 mA zu belasten).


    Die Formel U = R * I (Ohmsches Gesetz) gilt auch hier.


    Aufgelöst nach dem Widerstand R erhält man

    R = U/I


    Zu berücksichtigen ist hier aber noch die Vorwärtsspannung Uv der LED, woraus man erhält

    R = (U - Uv) / I


    (Anmerkung: Die Spannungen, die an allen Bauteilen abfällt, ergänzt sich zur anliegenden Spannung. Wenn es anders wäre, könnte man ja durch geschicktes Zusammenstecken einfachster passiver elektronischer Bauteile Spannung "abzwacken")


    Einsetzen von U = 3,3 V und Uv = ca. 1,8 bis 2,3 V (je nach Datenblatt und Farbe der LED) und I = 0,002 A führt dann zu Widerständen zwischen 750 Ohm und 500 Ohm.



    So Widerstandswerte von 50 Ohm einsetzen zu wollen, ist nicht nur leichtsinnig sondern auch - ach lassen wir das lieber.



    Beste Grüße


    Andreas

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  • Moin!


    Kann es sein das die Formel etwas entgleist ist?


    Die Vorwiderstandberechnung würde also in diesem Fall eigentlich so aussehen:


    R = ( Uges - Uled ) / I = (3,3 V - 2,3 V) / 0,02 A = 50 Ohm

    Sollte es nicht eher so aussehen. Nur wegen der Verständlichkeit

    Quote

    Formel: R = (Uges -Uled) / I

    Rechnung: (3,3 -2,3) / 0,02 = 50

    Ich meine das ist übersichtlicher.


    Gruss Bernd

    Ich habe KEINE Ahnung und davon GANZ VIEL!!
    Bei einer Lösung freue ich mich über ein ":thumbup:"

    Vielleicht trifft man sich in der RPi-Plauderecke.

    Edited once, last by Bernd666 ().

  • Hallo zusammen,

    besten Dank für Eure überwiegend zielführenden Antworten. Anbei daher schon mal einige Rückmeldungen zu konstruktiven Beiträgen:

    wie Du siehst, ist es ganz einfach, einen Raspberry Pi zu killen, zu grillen, in die Ewigen Jagdgründe zu befördern.


    Ja, scheint so ;(


    Es gibt aus der Ära des RPi B (2013-2014) einige Berichte, dass Defekte, wie von Dir beobachtet, sich innerhalb von Tagen / Wochen zurückbilden. Aber eine Macke bleibt meistens. Sonderlich belastbar sind die Teile nach einem solchen Defekt jedenfalls nicht mehr. Ich hätte wohl das Vertrauen in einen solchen RPi verloren.


    Übrigens: Super Schadensbeschreibung!

    Ich würde alles am Pi abstecken, über Nacht liegenlassen und dann, nur mit HDMI Monitor und Keyboard probieren, ob er noch brauchbar bootet.

    Mein Pi ist schon etwas älter... dachte ich zumindest... bis ich mir das Bestelldatum angeschaut habe... Januar 2016... also leider wohl nicht so alt, dass er in Deinen Zeitrahmen fallen würde. Trotzdem nehm ich jetzt mal das Prinzip Hoffnung, und erwarte eine Wunderheilung :D Da er nur Ambilight-Steuerung übernimmt, muss mein Vertrauen in die Technik hier nicht so groß sein.

    Könnte bei der Montage ungewollt (punktuell) Druck auf den SD-Kartenslot oder die Karte selbst oder auch auf den Micro-USB-Port ausgeübt worden sein? Was passiert mit den LEDs wenn Du die Karte ganz weg lässt und wird der SoC dann auch wärmer als normal?

    Das ist eigentlich ausgeschlossen. Den Pi selbst hat zum Zeitpunkt des Grillens (ich nenne es schon mal so) nichts aussergewöhnliches berührt; speziell lastete kein Druck auf ihm o.ä.


    Während ich meine Antwort schreibe, geht die Diskussion hier bzgl. der Widerstände weiter, und final führe ich es dann jetzt mal darauf zurück, dass der Widerstand mit 300 Ohm einfach zu klein/knapp kalkuliert war. Also entweder warte ich dann jetzt auf die Wunderheilung, oder ich verbuche es unter Lehrgeld.


    Dank und Gruß,

    B.

  • Er verwendet 3*100 Ohm und hat laut seiner Messung einen Gesamtwiderstand mit LED von 324 Ohm.

    Das ist vielleicht das, was sein Multimeter anzeigt. Eine LED ist kein ohmscher Widerstand.

    I = U / R = 3,3 V / 324 Ohm == 0,01018 A

    Falsch. Wir haben keinen linearen ohmschen Widerstand.


    Uled = 2V (angenommen)

    Rv = 3 * 100ohm = 300ohm

    Ub = 3.3V

    Iled = (Ub - Uled) / Rv = 1.3V / 300 ohm

    Iled = 4.3mA

    Also wie kommst du darauf dass hierbei der zulässige GPIO-Strom überschritten wird?

    Nicht schon wieder. Es wird zwar mitunter behauptet, ein GPIO könne 16mA treiben, aber dazu müssen alle 8 Ausgangstreiber aktiviert sein. Ansonsten kann ein GPIO 2mA sicher.

    Eine normale rote Led benötigt 20mA bei 2,3V.

    Ja, solche LED hab ich auch noch. Irgendwann aus einem alten RFT-Fernseher ausgelötet.


    Seit mindestens 20 Jahren gibt es low-current LED, die mit 2mA arbeiten. Aktuelle superhelle oder ultrahelle LED kommen mit unter 1mA aus. Bei 20mA willst Du da nicht reinschauen.


    Ich betreibe an meinen Steuerungen ultrahelle LED mit 15kohm Vorwiderstand als Betriebsanzeige. Da kannst Du auch problemlos die LED bei Akkubetrieb anlassen.

  • Ich meine das ist übersichtlicher.

    Nö. Einheiten mitführen. Immer. Lernt man eigentlich im Physikunterricht.


    Erstens merkt man so schnell, wenn man einen Fehler hat, weil plötzlich eine Spannung in Ampere hoch 2 rauskommt. Und zweitens will man ja auch mit mA und kohm rechnen.

  • Warum aber nicht gleich so? ach lassen wir das lieber.

    Die Frage "Vorwiderstand vor LED - wie berechnen?" gibt es im Mikrocontroller-Forum 3 mal die Woche. Und es gibt ungezählte Seiten im Web, wo die Berechnung erläutert wird.


    Aber man ist ja schon froh, wenn die Leute überhaupt einsehen, dass eine LED in den meisten Fällen einen Vorwiderstand benötigt.