RaspiBlaster: Gerät zum Rippen von CDs missbraucht oder warum ist ein RPi bisweilen schneller als ein x86-Laptop?

  • EDIT:

    ++++ Achtung! ++++

    Dieser Thread will nicht behaupten, dass ein RPi schneller sei, als ein PC jünger als 10(?) Jahre.

    Insbesondere Foren- bzw. RPi-Neulinge sollen nicht in die Irre geführt werden und nach dieser Lektüre falsche Schlüsse ziehen!

    Ein x86-Prozessor ist rein architekturbedingt wesentlich stärker auf Rechenleistung ausgelegt als ein ARM-Prozessor, bei dem ein Hauptaugenmerk u.a. auf die Energieeinsparung (für Akkubetrieb) gelegt wurde...

    Ferner enthält dieser Beitrag an manchen Stellen durchaus gewisse Portionen an Ironie :lol:


    Ich will meine gesamte CD-Sammlung (nach MP3) jetzt nochmals verlustfrei als FLAC (Free Lossless Audio Codec) rippen und habe dafür das Programm abcde auserkoren. Ich habe das Programm auf einem Linux-Laptop installiert und für das FLAC-Encoding konfiguriert. Rein interessehalber habe ich abcde auch auf dem (mittlerweile zweiten) Raspiblaster (Geburtstagsgeschenk für den nächsten Sohn) mit dem richtig schnellen 5,25Zoll BluRay-Laufwerk LG BH16NS55 installiert und was ist passiert:


    Der schnellste Rechner in meinem Haushalt zum Rippen meiner CDs ist der (Achtung: Festhalten!) Raspiblaster2 (RPi3 inside)!


    Gut, dieses Fazit ist jetzt etwas provokativ, hat aber einen wahren Kern:

    Ein RPi ist doch im Vergleich zu einem -- selbst in die Jahre gekommenen -- PC relativ langsam! Die Geschwindigkeit beim Rippen einer CD hängt allerdings in erster Linie von der Lesegeschwindigkeit des CD-ROM-Laufwerks ab und kaum von der Geschwindigkeit des Prozessors (CPU). Daher ist es möglich, einen Raspiblaster (RPi mit CD-ROM-Laufwerk) zu haben, der diese spezielle Aufgabe letztlich schneller durchführt als ein dahingehend nicht optimierter PC.


    Außer Konkurrenz blieb nur der Gaming-PC meines großen Sohnes. Der hätte wohl gut mithalten können oder wäre evtl. noch schneller. Dies zeigt aber dennoch, dass ein RPi bei Verwendung vernünftiger Peripherie durchaus konkurrenzfähig ist.


    Details habe ich in meine Anleitung für den Raspiblaster auf github eingearbeitet. Kapitel 4 beschreibt die Installation und Anwendung von abcde auf einem RPi. Das Kapitel endet mit einem Benchmark des Raspiblasters gegen drei Laptops mit dem erstaunlichen Ergebnis, dass der Raspiblaster gewann. Obacht, gleich stinkt es wegen Selbstlobes sogar durchs Internet: Ist ja logisch, den Raspiblaster habe ja ich gebaut!


    Gut's Restnächtle!

    • Official Post

    Hallo schlizbäda,


    ich würde fast behaupten, dass eine Iron Maiden-CD schneller gerippt wird als eine Roland Kaiser-CD. Alleine die Zeit, die beim widerwilligen einlegen der CD vergeht... :lol:


    Aber davon ab hätte ich echt nicht gedacht, dass der RPi 3 einen Durchschnitts-PC beim Erstellen einer Sicherheitskopie schlägt! :conf:


    So jetzt: Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett

  • Es ist ja nicht der RPi, der "schlägt" sondern das angeschlossene Laufwerk liest offenbar die CD schneller aus.

    Offenbar ist die eigentliche Erzeugung der FLAC-Files nicht sooo aufwendig.


    schlizbäda :

    Hast du mal den Quertest gemacht: Das schnelle Blue-Ray-LW an einen PC/Laptop und diese Kombination gemessen?


    Ein weiterer Quertest, um die Laufwerksthematik komplett aus dem Rennen zu nehmen:

    Eine CD als ISO bereit stellen und lokal mounten (loop-device).


    Dann auf RasPi und auf PC/Laptop rippen lassen und vergleichen...

    • Official Post

    Hi Zentris!


    Es ist ja nicht der RPi, der "schlägt" sondern das angeschlossene Laufwerk liest offenbar die CD schneller aus.

    Die Geschwindigkeit beim Rippen einer CD hängt allerdings in erster Linie von der Lesegeschwindigkeit des CD-ROM-Laufwerks ab und kaum von der Geschwindigkeit des Prozessors (CPU). Daher ist es möglich, einen Raspiblaster (RPi mit CD-ROM-Laufwerk) zu haben, der diese spezielle Aufgabe letztlich schneller durchführt als ein dahingehend nicht optimierter PC.

    ;)

  • Das habe ich gelesen,

    jedoch erscheint mir der Schluss/die Behauptung, "der RasPi wäre der schnellste Rechner im Haushalt zum Rippen" die falsche Schlussfolgerung.


    Oder sollte das ein "Scherz" sein? :conf:

    (dann bitte als solchen kennzeichnen, damit unbedarfte Leser keine falschen Schlüsse ziehen (was ja in der heutigen, oberflächlichen Zeit oft genug vorkommt).

  • Um alle Klarheiten zu beseitigen:


    Zentris, es ist schon so gedacht gewesen, dass dieser Beitrag nicht vollständig einer gewissen Ironie entbehren kann/soll und nicht zu 100% todernst gemeint ist. Ich werde den Eingangspost nochmals entsprechend kennzeichnen...

    ich würde fast behaupten, dass eine Iron Maiden-CD schneller gerippt wird als eine Roland Kaiser-CD. Alleine die Zeit, die beim widerwilligen einlegen der CD vergeht... :lol:

    Diesen Quercheck kann ich mangels Roland-Kaiser-CD derzeit leider nicht ausführen! :angel:

    Also diese Quertests wird der RPi zu 100% verlieren...

    Das Blu-Ray-Laufwerk müsste ich in den Gaming-PC meines großen Sohnes einbauen und der wird hierfür (auch hinsichtlich der Softwaresache) wenig Verständnis aufbringen...

    Wobei: Ein Linux ist als Fallback-Ebene drauf. Diesen Rechner könnte ich mir daher durchaus auch nochmal ansehen, zumal der Bub außer Hause ist :lol:

    Vielleicht wird dann das der schnellste Ripping-Rechner in unserem Haushalt...

  • Offenbar ist die eigentliche Erzeugung der FLAC-Files nicht sooo aufwendig.

    Zumindest ist FLAC kodieren auf meinem A1200 68040 40MHz bei Kompressionslevel 6 (1-8) in Echtzeit möglich. Ein RPi3 ist so 100-1000 mal schneller. :) Mp3 bei 128kbit braucht ca. Echtzeit x 10, grob geschätzt. FLAC scheint also nicht so viel CPU Zeit zu benötigen. Vermutlich wird I/O am meisten Zeit beanspruchen.


    Mich würde, wenn du fertig bist, die Kompressionsrate bei FLAC über die gesamte CD Sammlung interessieren. Ein grober Wert reicht. Bis zu 50% soll ja möglich sein.

  • Hi daxb,


    Vielen Dank für den Hinweis, die Datenkompressionsrate zu kontrollieren! Ich bin gerade bei ca. 80%, also die FLACs haben ca. 80% der Größe der unkomprimierten CD! Das ist schon heavy (oder gach wie wir in Bayern sagen würden)!

    Da muss ich wohl noch schauen, ob ich die Kompressionsrate noch etwas verbessere...


    Stand derzeit:

    insgesamt 24 CDs eingelesen, dies resultiert in 9,8GB FLAC-Dateien auf der Festplatte (Die *.m3u und cover.jpg sind über alle CDs mit ein paar MB in diesem Wert auch enthalten aber zu vernachlässigen)


    Das war mir jetzt gar nicht so bewusst, dass man die Kompressionsrate bei FLAC (zumindest mit der richtigen Encoding-Software) irgendwie einstellen kann. Ich werde mich diesbezüglich noch mal einlesen, bevor mein Sohn jetzt seinen "Ferienjob" beginnt und meine gut 500-600(?) CDs nach und nach rippt...


    PS: Die zuletzt auf dem Raspiblaster gerippte CD (Queen - The Miracle) hat bei 13 Titeln eine Spielzeit von 52:12, das entspricht (bei Dreisatzrechnung 80min=700MB) einer Originaldatenmenge von 455MB. Als FLAC habe ich 335,7MB, was einer Kompression auf ca. 74% entspricht.

    Bei meinen Erstversuchen 2017 am PC (Bravo Hits 92 - CD 1 ( hyle: Sorry) / 22 Titel, Spielzeit 1:19:35 --> 700MB) resultierten daraus 566,8MB FLAC-Dateien was eine Kompression auf 80% bedeutet.

    Das liegt aber vermutlich nur an den Einstellungen des FLAC-Encoders. Kann ich aber von damals nicht mehr reproduzieren, da ich das damalige ubuntu mittlerwele mit Linux Mint überbügelte...

  • Hallo schlizbäda,

    oder gach wie wir in Bayern sagen

    Muss es nicht Gagh heißen? scnr


    Meine CDs habe ich ebenfalls mit flac gepackt, auf dem PC mit der höchsten Kompressionsrate (-8 als Parameter). Als Beispiel mal eine Sisters CD, eine von Roland Kaiser war nicht greifbar, lässt sich aber sicher auf 0% packen, nich wahr hyle?


    The Sisters Of Mercy - Some Girls Wander By Mistake - 802MB original - 496MB flac (auf 62% eingedampft)

  • Hallo,

    Das liegt aber vermutlich nur an den Einstellungen des FLAC-Encoders. Kann ich aber von damals nicht mehr reproduzieren, da ich das damalige ubuntu mittlerwele mit Linux Mint überbügelte..

    Das ist natürlich schade, sonst hättest du bei https://wiki.ubuntuusers.de/FLAC lesen können, wie du die Kompressionsrate einstellst. Aber als Mint-User geht das natürlich nicht ;)


    Gruß, noisefloor

  • STF, dieser Schallplattenwechsler wäre beinahe zeitgemäß und stilecht(?) für meinen X1/9 . Naja, ganz so alt ist das Auto dann auch wieder nicht...


    À propos Gagh:

    so åreidig han ned amoi mia in Bayern! ("So widerlich sind nicht einmal wir in Bayern")

    oder anders gesagt: Gagh is gach!

    scnr :)

  • Es ist wohl empfehlenswert den höchsten FLAC Kompressions Level zu benutzen. Soweit mir bekannt sind Werte von 75% bis 50% zu erwarten. Da ich auch schon mit dem Gedanken gespielt habe meine CD Sammlung (ca. 200) zu archivieren, wäre ein Praxiswert interessant. Wenn man max. 700MB pro CD annimmt, gilt für 100 CDs 70GB unkomprimiert. I.d.R. liegt man deutlich unter diesem Wert. Ich glaube, ich spare mir das verlustfreie komprimieren.

  • Kompressionsrate bei FLAC:


    Hi daxb,

    Ich glaube, ich spare mir das verlustfreie komprimieren.

    Den höchsten Kompressionslevel habe ich vermutlich nicht verwendet, da ich mich darum (aus Unwissenheit) einfach nicht gekümmert hatte. Auch ich habe eine Kompression auf 50%-60% der Originalgröße im Hinterkopf, dies aber nie verifiziert. Klar, so klein wie bei Verwendung eines verlustbehafteten Codecs wie MP3 (1/8 oder so bei 128Mbit/s) etc. werden die Musikdateien nicht werden :fies:


    Als nächsten Schritt habe ich jedoch vor, wie von noisefloor vorgeschlagen, einen besseren Kompressionslevel einzustellen:

    Das ist natürlich schade, sonst hättest du bei https://wiki.ubuntuusers.de/FLAC lesen können, wie du die Kompressionsrate einstellst. Aber als Mint-User geht das natürlich nicht ;)

    :auslachen:ich hoffe, ich kann vor ubuntuusers.de verbergen, dass ich Linux Mint benutze :baeh2:


    In den nächsten Tagen werde ich nochmals über die Ergebnisse berichten...


    EDIT: Kompressionsergebnisse:


    Ich habe nochmals das Lied Sepultura - Roots Bloody Roots zunächst als *.wav von der CD gerippt und in der Kommandozeile mit flac -<Kompressionsstufe> 01*.wav in eine FLAC-Datei konvertiert. Das Resultat ist relativ ernüchternd:

    Zwischen der niedrigsten und der höchsten Kompressionsrate ergibt sich bei diesem Stück eine resultierende Größe zwischen ca. 74% und 70%, d.h. die Kompressionsrate wirkt sich äußerst gering aus. Man kann in den Einstellungen dennoch die höchste Kompressionsrate wählen, da sich die Rechenzeit (insbesondere auf modernen x86-PCs) -- wenn auch bemerkbar -- nicht nennenswert auf die Kompressionsdauer auswirkt. Der Flaschenhals ist und bleibt das CD-Laufwerk!

    Die Standardeinstellungen von abcde liefern für Roots Bloody Roots eine Datei der Größe 26347472, die Kompressionsrate liegt also bei ca. -5. Die Abweichung von den obigen Werten liegt vermutlich daran, dass hier die CD-Rohdaten komprimiert wurden und nicht die *.wav-Datei.


    daxb :

    Mit diesen Informationen kannst Du Dein weiteres Vorgehen nochmals überdenken:

    Solltest Du Deine CD-Sammlung noch nicht unkomprimiert (z.B. als *wav) auf dem PC vorliegen haben, und ohnehin noch rippen müssen, dann schadet es nicht, flac trotz der relativ geringen Kompression zu verwenden. Rechenzeit verbrätst Du effektiv kaum! Gegenüber einem unkomprimierten Rip sparst Du Dir aber ein Viertel Festplattenplatz ein, was bei angenommenen 100GB (200 CDs) immerhin ca. 25GB Plattenplatz wären. Das sind schon wieder mindestens drei (unkomprimierte) Imagesicherungen von einem produktiven Raspbian-Desktop-System :)

  • Benchmark um Gaming-PC erweitert

    Auf dem Gaming-PC habe ich seinerzeit (als Rückfallebene) ebenfalls Linux Mint 18.2 installiert, falls mit dem produktiven Windows10 aufgrund der Zwangs(?)-Updates etwas passieren sollte... Zu Testzwecken habe ich die abcde-Gaudi aufgespielt und getestet. Aus Faulheit habe ich jedoch nicht das Blu-Ray-Laufwerk LG BH16NS55 des Raspiblaster2 installiert (da ist mir der Ausbau zu blöd), sondern das im Gaming-PC verbaute relativ billige 0815-DVD-Laufwerk LG GH24NSD1 dort belassen, mit dem Hintergedanken "ist ja auch relativ neu, hat halt kein Blu-Ray..."


    Das Fazit war, dass das Laufwerk in Verbindung mit dem sehr schnellen PC für's Rippen meiner Test-CD (Saga - The Very Best Of...) anstelle von letztlich 8,5min - 14min tatsächlich weit über 20min brauchte. Ich brach es dann ab, anhand der fertig gerippten Musikstücke konnte ich berechnen, dass der Lesevorgang letztlich nur in zweifacher Geschwindigkeit lief. Das Laufwerk bietet aber laut technischer Daten bis zu 40-fache Lesegeschwindigkeit bei CDDA. Diese Angabe zählt vermutlich nur für's direkte Abspielen, nicht für's hier notwendige Einlesen der Musik als Daten! :(

    Für mich gibt es dafür zwei mögliche Ursachen:

    * Der Linuxtreiber für dieses spezielle Laufwerk ist äußerst suboptimal.

    * Das Laufwerk ist (da für unter 20,--€ zu haben) einfach wirklich ein Glump.


    Grundsätzliches Ergebnis:

    * Die Geschwindigkeit des Einlesevorgangs beim Rippen hängt nur vom Laufwerk ab.

    * Die angegebene Lesegeschwindigkeit für CDDA (CD Digital Audio) ist eher theoretischer Natur und gilt offenbar nicht für's Einlesen als Daten!

    * Die Prozessorgeschwindigkeit des Rechners beeinflusst den Rip-Vorgang kaum


    Meine Anleitung für den Raspiblaster auf github (Kapitel 4) habe ich mit diesem Ergebnis nochmals überarbeitet. Das Projekt ist für mich daher abgeschlossen, mein Sohn kann sich jetzt mit dem Rippen der CD-Sammlung auf dem Lenovo-Laptop sein Taschengeld aufbessern. :)

  • Die Kompressionsrate würde ich jetzt nicht unbedingt an ein Lied fest machen. Ein Durchschnittswert könnte auch bei 60-65% liegen. Es kommt wohl auf die "Qualität" der Musiksammlung an. ;)


    Deine "Rip" Zeiten vom DVD/Bluray finde ich recht hoch. Also die Zeit, die benötigt wird, um die Daten von CD auf ein Speichermedium zu kopieren. Die sollte eigentlich nur begrenzt werden durch die Lesegeschwindigkeit des Laufwerks und der Schreibgeschwindigkeit des Speichermediums. Ich wäre von unter 4 min. pro CD (700MB) ausgegangen. Bei 44x eher unter 2 min..

  • Die sollte eigentlich nur begrenzt werden durch die Lesegeschwindigkeit des Laufwerks und der Schreibgeschwindigkeit des Speichermediums. Ich wäre von unter 4 min. pro CD (700MB) ausgegangen. Bei 44x eher unter 2 min..

    Die ist praktisch aber u.a. abhängig von der Fehlerkorrektur des Laufwerks und natürlich dem Ausgangsmaterial. Audio-CDs (cdda) sind nicht vergleichbar mit Daten-CDs, https://www.xiph.org/paranoia/faq.html#play

    Menschen die keine Ironie verstehen finde ich super!

  • Daten bis zu 40-fache Lesegeschwindigkeit bei CDDA. Diese Angabe zählt vermutlich nur für's direkte Abspielen, nicht für's hier notwendige Einlesen der Musik als Daten!

    Ähmm, beim Abspielen läuft jedes noch so schnelle CD-Laufwerk mit der Geschwindigkeit 1-fach.


    Das 44-fach ist für das einlesen der digitalen Daten, also auch das digitale Auslesen der CD.

    Da aber die Musikstücke recht kurz sind, wird das jeweilige Neupositionieren beim schnellen lesen die Datenrate drücken.

    Selber denken,
    wie kann man nur?