Partitionierung von einziger SSD (mit Betriebssystem)?

  • Hallo Forum,


    ich habe auf meinem Pi 4 das Raspberry Pi OS mittels Pi Imager direkt auf eine 1TB SSD geschrieben. Die SSD ist der alleinige Speicher und ist mit USB3 mit dem Pi verbunden. Ich habe das Setup seit einigen Wochen in Betrieb und es läuft auch mittlerweile alles wunschgemäß.


    Auf meinen Windows-Rechnern habe ich eigentlich immer eine Datenpartition angelegt, wenn nur eine Festplatte vorhanden war. Dort speichere ich z.B. Bilder, Videos und weitere Daten getrennt vom Betriebssystem. Man kann somit die Systempartition löschen oder mit einem Image überschreiben und die Daten erhalten/retten. Ich musste das in Windows seit Ewigkeiten nicht mehr machen, aber ich denke, es ist trotzdem gute Praxis Daten und Betriebssystem zu trennen. Eigentlich hatte ich das auf meinem Pi auch vor.


    Ich stelle es mir auch besonders bei Backups vorteilhaft vor. Der Pi ist für mich noch recht ungewohntes Terrain. Bevor ich neue Pakete installiere, würde ich in Zukunft vom stabilen System ein Backup machen wollen. Ich würde die Systempartition gern klein halten und nur von dieser ein Backup machen wollen. Am liebsten sollte das Backup sogar direkt auf die große Datenpartition gespeichert werden, falls möglich. Die weiteren Daten würde ich beim Backup ignorieren wollen.


    Ist das möglich und wenn ja sinnvoll? Was sind eure Empfehlungen? Vielen Dank.

    Gruß,:dau2:

    Nils

  • Ein Backup auf den selben Datenträger zu machen ist möglich, aber nicht besonders empfehlenswert. Im Falle des Falles sind dann die Quelle und das Backup weg. Es bietet sich an, sich ausführlich Gedanken zum Thema Backup zu machen. Was ist wichtig, was nicht. Wie leicht/aufwändig ist eine Wiederherstellung? Wenn das geklärt ist, ergibt sich auch die Partitionierungsfrage. Für das Backup würde ich zumindest einen anderen Datenträger empfehlen.

  • Ja, es ist möglich. Wobei die Größe der ersten Partition davon abhängt, was man darauf machen möchte. Doch bei einem 1 TByte großen Datenträger würden erst einmal 500 GByte für die erste Partition reichen.


    Es gibt Kommandozeilentools, mit denen man die Partition kleiner machen kann, so wie es grafische Tools gibt. Bei beiden Tools sollte man den Datenträger mit einem anderen System verändern, nicht mit dem System, dass man aktuell benutzt und dass auf diesen Datenträger schreibt.


    Egal, mit welchem Tool man die erste Partition kleiner macht, bleibt eine Empfehlung bestehen:

    Datenträger werden nicht mit dem Device-Namen eingebunden, sondern mit dem Namen der UUID

    Selber denken,
    wie kann man nur?

  • Moin Nils,


    auf dem Raspi hast Du üblicherweise ein Linux Derivat laufen, meist Raspberry Pi OS, welches auf Debian basiert. Und wie jedes Linux, kommt es mit dem sogenannten Filesystem Hierarchy Standard daher. Dieses macht einen großen Unterschied zu Windows.


    Wie bei jedem Linux (oder auch Unix) ist hier alles Datei. Das heißt, Du siehst im Dateibaum eigentlich keine Partitionen, wie bei Windows C:, D: usw.

    Was Du siehst, sind verschiedene Verzeichnisse wie /bin, /boot, etc, home usw. In diesen Verzeichnissen findet sich das System und Daten. Für die Sicherung der Daten ist das Verzeichnis /home, beim Raspi meist /home/pi oder vielleicht auch /home/nils von Interesse. Im /home sind die persönlichen Daten und die persönlichen Konfigurationsdateien vorhanden. Diese sind dann auch für ein Backup auf einen externen Datenträger von Interesse.


    Solltest Du auch globale Konfigurationen sichern wollen, so ist das Verzeichnis /etc von Belang.


    Somit brauchst Du Dir bei einer Standardinstallation keine Gedanken zur Partitionierung zu machen. Üblicherweise werden 2 Partitionen angelegt. Eine für /boot und eine für den Rest unter /. In /boot liegt das eigentliche Linux in den restlichen Verzeichnissen unter / alles weitere.


    Guido

  • Beim Pi-System weiß ich jetzt nicht genau, wie man die Partitionen aufteilt (ich kenne das Pi-System zu wenig). Man muss Einträge ändern, damit der Raspi von der am USB Port angeschlossenen SSD/HDD bootet. Eine weitere Daten-Partition ist kein Problem und Linux installiere ich immer mit mehreren Partitionen.
    1. Mach dich mal schlau, wie man ohne Micro SD-Karte von der angeschlossenen und mit dem Pi-System installierten SSD/HDD bootet.
    2. Dann musst du die Systempartition auf der SSD/HDD verkleinern, um Platz für eine neue Daten-Partition zu erzeugen. 32GB müssten dafür reichen. Es ist also noch genügend Platz für viele Daten.

    3. Die neue frei gemachte und leere Partition (nicht die System Partition !) danach mit Geparted einrichten und in ext4 formatieren.

    4. Du bindest dann die neue Partition in /mnt ein.
    3. Die alten /home Daten musst du 1:1 auf die neue Datenpartition nach /mnt kopieren.
    4. Dann ist die /etc/fstab so zu ändern, das die neue Partition mit den Daten unter /home im Systemverzeichnis beim booten gemountet wird.

    5. Danach neu booten ...


    Das ist nur eine grobe Vorgehensweise. Ich würde auf jeden Fall die Micro SD-Karte und die ext. Festplatte vorher sichern bzw. 1:1 kopieren!
    Ein Backup des Systems auf die Datenpartition ist keine gute Lösung. Sichere dein ganzes System inkl. Daten auf eine zweite ext. Festplatte.

  • Ein Backup auf den selben Datenträger zu machen ist möglich, aber nicht besonders empfehlenswert. Im Falle des Falles sind dann die Quelle und das Backup weg.

    Vielen Dank an alle für die Antworten.


    Es geht mir beim Thema Backup insbesondere darum, nicht die komplette SSD sichern zu müssen. Diese ist 1TB groß. So wie ich es gelesen habe, wird beim Backup die gesamte Größe der Partition gespeichert, selbst wenn diese fast leer ist. Ich besitze im gesamten Haushalt kein weiteres Speichermedium, welches größer ist als 1TB.


    Ich hätte jetzt gedacht, die Systempartition reduziere ich auf 16GB oder vielleicht maximal 32GB. Den Rest der SSD partitioniere ich zu einem "Datenspeicher". Dann wäre ein Backup der Systempartitionen ja 16 bzw. 32GB groß (?). Damit könnte ich besser umgehen, als mit 1TB Backups. Ein Backup dieser Größe könnte ich z.B. auch relativ einfach auf einen zweiten Rechner kopieren. Dann wären Quelle und Backup auch nicht mehr auf dem selben Speichermedium.


    Es geht mir nicht um die Daten (Fotos, Videos, Dokumente usw.), dafür habe ich auf weiteren Rechnern im Netzwerk noch Platz für Sicherungskopien. Es geht mir um das Betriebssystem und die installierten Applikationen bzw. deren Einstellungen. Um den jetzigen Stand zu erreichen, ist schon einiges an Zeit investiert worden.


    Ich möchte als nächstes gern mit einem SoftSPS Projekt eine kleine Automatisierungslösung mit dem Pi umsetzen. Weil ich das Risiko für das restliche System nicht einschätzen kann, würde ich vorher gern ein Backup des jetzigen Zustands machen, falls doch etwas schief geht.


    Ja, es ist möglich. Wobei die Größe der ersten Partition davon abhängt, was man darauf machen möchte. Doch bei einem 1 TByte großen Datenträger würden erst einmal 500 GByte für die erste Partition reichen.

    Der Pi ist bisher DHCP- und DNS-Server (für Pi-hole). Dann habe ich Wireguard VPN eingerichtet, für den Fernzugriff auf das Netzwerk. Eine Hauptaufgabe soll das SPS-Projekt werden. Und dann dient er im Netzwerk weiterhin als zentraler Ablageort für Daten im Netzwerk. Nur die letzte Aufgabe ist mit großen Datenmengen verbunden. Ich denke/hoffe, eine Samba Freigabe lässt sich auch auf Daten einer weiteren Partition einrichten.


    Solltest Du auch globale Konfigurationen sichern wollen, so ist das Verzeichnis /etc von Belang.

    Ich bin von einem kompletten Backup des Systems ausgegangen. Wenn im schlimmsten Fall das Betriebssystem nicht mehr zu retten ist, kehre ich mit der Wiederherstellung des Backup zu einem vorherigen Stand zurück, von dem ich weiß, dass der funktioniert.


    Somit brauchst Du Dir bei einer Standardinstallation keine Gedanken zur Partitionierung zu machen.

    Siehe mein Beispiel oben (1TB Backup). Ich glaube schon, dass es bei mir sinnvoll wäre. Hätte ich vielleicht doch nicht auf eine SD Karte verzichten sollen? :conf:

    Gruß,:dau2:

    Nils

  • Es gibt verschiedene Arten der Datensicherung. Es muss nicht zwingend ein Image (Abbild) des Datenträgers gemacht werden. Die verschiedenen Möglichkeiten sollte man kennen um das für sich passende wählen zu können. Also bevor du an das Partitionieren gehst, erst mal einen Schritt zurück gehen.

  • Soweit die installierte Software aus den dem offiziellen Repositiory stammt, genügt es zu wissen welche zu der Standardinstallation hinzugekommen ist. Soweit die Software aus anderen Quellen stammt, so sind diese Dir ohnehin bekannt.


    Für diesen Zweck mache ich immer mal wieder mittels


    dpkg -l > software-list.txt


    einen Snapshot der mittels Paketverwaltung installierten Software. Sieht zunächst sehr unübersichtlich aus, aber durch inzwischen langer Anwendung, insbesondere wenn ich mal wieder ein System neu aufsetze, ist es kein Problem für mich mehr.


    Wichtiger sind ohnehin die Einstellungen und Daten. Die gehören mir und sind nicht wieder zu ersetzen wenn ich sie nicht regelmäßig sichere.


    Daher belasse ich es bei den Standardeinstellungen. Die Größe des Datenträgers ist grundsätzlich nicht relevant. Erst bei besonderen Konfigurationen, wie bei einem NAS (nur ein Beispiel) würde ich System und Daten trennen. Dann aber nicht durch Partitionierung sondern durch eigene Datenträger. Denn wenn hier ein Datenträger sich verabschiedet, habe ich wenigstens einen funktionierenden.


    Guido